Review: Utopia | Staffel 2 (Serie)

So, dieses Wochenende beende ich dann mit nachfolgender Kritik die leider viel zu kurzlebige Channel-4-Serie, damit niemand denkt, ich würde nur noch auf das mannigfaltige Streaming-Angebot zurückgreifen, denn hier stehen tatsächlich standesgemäß noch die Scheiben nebst Schuber im Regal.

Utopia
Staffel 2

Utopia, UK 2013-2014, ca. 53 Min. je Folge

Utopia | © polyband
© polyband

Serienschöpfer:
Dennis Kelly
Ausführende Produzenten:
Karen Wilson
Jane Featherstone
Dennis Kelly

Regisseure:
Marc Munden (#1-3)
Sam Donovan (#4-6)
Autor:
Dennis Kelly

Main-Cast:

Adeel Akhtar (Wilson Wilson)
Paul Higgins (Michael Dugdale)
Geraldine James (Milner)
Neil Maskell (Arby)
Ian McDiarmid (Anton)
Fiona O’Shaughnessy (Jessica Hyde)
Alistair Petrie (Geoff)
Paul Ready (Lee)
Alexandra Roach (Becky)
Nathan Stewart-Jarrett (Ian)
Oliver Woollford (Grant)
Special Guests:
Tom Burke (Philip Carvel)
Rose Leslie (Young Milner)

Genre:
Drama | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Utopia | © polyband
© polyband

Einige Monate sind vergangen seit den Ereignissen um das Manuskript der "Utopia Xperiments" und während Jessica Hyde sich noch immer in der Gewalt des Network befindet und von ihnen gefoltert wird, ist sie doch auch die einzige, die darum weiß, dass Milner in Wirklichkeit Mr. Rabbit ist und damit ganz oben in der Hierarchie der dubiosen Gesellschaft steht, die sich der Freisetzung der Russischen Grippe verschrieben hat, um auf diesem Wege die Bevölkerung mit Janus zu infizieren. Davon ahnt Ian noch nichts, der sich noch immer auf der Suche nach der untergetauchten Becky befindet, derweil Arby sich ebenfalls abgesetzt hat, um unerkannt ein bürgerliches, unaufgeregtes Leben führen zu können. Dann aber steht eines Tages sein alter – und totgeglaubter – Partner Lee vor dessen Tür und versucht ihn zur Rückkehr zu bewegen, doch beginnen die Dinge erst richtig aus dem Ruder zu laufen, als der verschrobene wie undurchsichtige Anton in Erscheinung tritt und Jessica derweil ihre Flucht zu planen beginnt…

Rezension:

Lange hat es gedauert, bis ich mich schlussendlich an die erste Staffel Utopia herangewagt habe, doch umso schneller habe ich mich nun der zweiten und leider auch schon letzten Staffel gewidmet, da ich mir – clever wie ich bin – seinerzeit direkt die Gesamtbox zugelegt habe, anstatt auf die einzelnen Staffelboxen zurückzugreifen. Grundsätzlich steht nun diese Staffel der vorangegangenen in kaum etwas nach, auch wenn sie etwas Zeit benötigt, um geschichtlich wieder voll in Fahrt zu kommen, was sich natürlich bei erneut gerade einmal sechs Episoden durchaus bemerkbar macht. Das lässt sich bereits anhand der ersten Folge belegen, die völlig unerwartet eben nicht die Geschichte der ersten Staffel fortführt und sich vor allem den dortigen Cliffhangern widmet, sondern stattdessen mit einem Sprung in die Vergangenheit aufwartet, der den Werdegang von Janus-Schöpfer Philip Carvel nachzeichnet – hier verkörpert von Tom Burke (Only God Forgives) –, und vor allem skizziert, wie er seinerzeit Milner begegnet und Teil des Networks geworden ist.

Szenenbild aus Utopia | © polyband
© polyband

Die jüngere Milner – in der Gegenwartshandlung eigentlich verkörpert von Geraldine James – wird in dieser Rückblenden-Episode derweil von Rose Leslie (The Last Witch Hunter) verkörpert und gibt eine gelungene Vorstellung ab, zumal Milner sich ja – zumindest der Zuschauerschaft und Jessica Hyde – im vorangegangenen Staffelfinale als Mr. Rabbit zu erkennen gegeben hat und somit als eine der Drahtzieher schlechthin betrachtet werden kann, wie auch in dieser Episode deutlich wird. Mit diesem neuen Wissen schickt dann erst die zweite Episode zurück in die eigentliche Handlung und nachdem einige Monate vergangen sind, hat sich so einiges teils gravierend geändert, weshalb hier wohl am deutlichsten wird, dass Utopia sich ein wenig wie aus dem Takt gekommen anfühlt, was aber nicht von langer Dauer ist. Besonders gefreut habe ich mich dabei über die Rückkehr von Lee (Paul Ready, Bodyguard), dem totgeglaubten Partner von Arby, der vermeintlich schon zu Beginn der ersten Staffel das Zeitliche gesegnet hat. Und konsequenterweise ist er es auch, der Arby zurück in die Fänge des Network zu treiben versucht, nachdem er sich zunächst abgesetzt hat und mittlerweile ein bürgerliches Leben führt.

Zielführend und prägend für die Staffel als solche ist allerdings vielmehr das Erscheinen des mysteriösen Anton, der von niemand Geringerem als Ian McDiarmid (Star Wars) dargestellt wird, wobei ich gar nicht vorwegnehmen möchte, was genau es mit diesem zunächst schweigsamen Mann auf sich haben wird. Ansonsten befeuert Utopia auch in der zweiten Staffel wieder reichlich Paranoia und bedient sich auch teils realer Begebenheiten, um diese in den Kontext des Network und Projekt Janus einzubetten, was der Show seinerzeit auch einiges an Kritik eingebracht hat, derweil ich das unter künstlerischer Freiheit verbuchen würde. Die zuvor noch quasi namensgebende Graphic Novel "The Utopia Xperiments" derweil spielt hier nur noch am Rande eine Rolle, zumal deren größte Geheimnisse ja längst gelüftet worden sind. Und so geht es vielmehr darum, die Pläne des Network zu vereiteln, mithilfe einer großflächigen Freisetzung der russischen Grippe die Menschheit quasi zu zwingen, das eigens modifizierte Impf-Präparat zu nehmen, wobei selbst innerhalb der Reihen dieser Schattengesellschaft die Loyalitäten und persönlichen Motivationen nicht immer klar verteilt sind.

Szenenbild aus Utopia | © polyband
© polyband

Bedeutendster Neuzugang an der Seite von Milner dürfte derweil Wilson Wilson (Adeel Akhtar, Les Misérables) sein, der zum Ende der ersten Staffel Verrat an seinen Freunden begangen und die Sinnhaftigkeit der rabiaten Pläne von Mr. Rabbit erkannt hat. So verschieben sich die Bündnisse und Zweckgemeinschaften in der zweiten Staffel Utopia nicht nur zu Beginn gleich mehrere Male und schaffen eine interessante Dynamik, derweil sich spätestens ab der dritten Episode herauszukristallisieren beginnt, wohin die Reise geht. Und dank der noch immer einzigartigen Optik, dem wummernden Soundtrack und der regelrecht übersteuerten Farbgebung ist das auch hier wieder ein surreales wie schwarzhumoriges Vergnügen, das leider auf den letzten Metern den geneigten bis begeisterten Zuschauer mit weit mehr Fragezeichen zurücklässt, als es notgetan hätte. Das ist schlichtweg dem Umstand geschuldet, dass Dennis Kellys Serien-Kreation ursprünglich auf noch zwei weitere Staffeln ausgelegt gewesen ist und sich Channel 4 recht kurzfristig dazu entschlossen hat, die Absetzung der Show bekannt zu geben. Entgehen lassen sollte man sich diesen Trip aber dennoch nicht, selbst wenn noch in diesem Jahr das amerikanische Remake seitens HBO erscheinen dürfte, dem hoffentlich mehr Erfolg bei der breiten Masse beschieden sein wird, das allerdings definitiv auch nicht so unangepasst, unverbraucht und einzigartig daherkommen dürfte.

Fazit & Wertung:

Auch wenn die zweite Staffel Utopia unerwartet mit einer Rückblenden-Episode eröffnet und danach kurz braucht, um wieder richtig in die Spur zu kommen, schwingt sich diese surreal-kompromisslose Show schnell zu neuen Höhen auf und begeistert auch in ihrem zweiten und leider letzten Jahr, auch wenn die vorzeitige Absetzung einiges an offenen Fragen mit sich bringt.

8,5 von 10 erschütternden Verschwörungstheorien

Utopia | Staffel 2

  • Erschütternde Verschwörungstheorien - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn die zweite Staffel Utopia unerwartet mit einer Rückblenden-Episode eröffnet und danach kurz braucht, um wieder richtig in die Spur zu kommen, schwingt sich diese surreal-kompromisslose Show schnell zu neuen Höhen auf und begeistert auch in ihrem zweiten und leider letzten Jahr, auch wenn die vorzeitige Absetzung einiges an offenen Fragen mit sich bringt.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 2

01. Episode 1 (8,5/10)
02. Episode 2 (8/10)
03. Episode 3 (8,5/10)
04. Episode 4 (9/10)
05. Episode 5 (9/10)
06. Episode 6 (8,5/10)

 
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Utopia | Staffel 2 ist am 26.06.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von polyband/WVG Medien erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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