Review: Alita: Battle Angel (Film)

Zum Wochenende hole ich dann endlich mal diesen Film nach und kann mich der Schar derer anschließen, die lautstark eine Fortsetzung fordern, denn auch wenn nicht alles perfekt sein mag, machen die Welt und die Figuren doch durchaus Lust auf mehr.

Alita
Battle Angel

Alita: Battle Angel, USA 2019, 122 Min.

Alita: Battle Angel | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Robert Rodriguez
Autoren:
James Cameron (Drehbuch)
Laeta Kalogridis (Drehbuch)
Yukito Kishiro (Graphic-Novel-Vorlage)

Main-Cast:

Rosa Salazar (Alita)
Christoph Waltz (Dr. Dyson Ido)
Jennifer Connelly (Chiren)
Mahershala Ali (Vector)
Ed Skrein (Zapan)
Jackie Earle Haley (Grewishka)
Keean Johnson (Hugo)

Genre:
Action | Abenteuer | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Alita: Battle Angel | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Im 26. Jahrhundert leben weite Teile der Bevölkerung in den letzten, nicht von dem großen Krieg zerstörten Städten, wobei es speziell die Himmelsstädte waren, die zerstört worden sind und von denen einzig Zalem noch immer Bestand hat. Unter ihr befindet sich die verarmte und verwahrloste Iron City, wo auch der begabte Dr. Dyson Ido seine Praxis hat und eines Tages bei dem von Zalem herabregnenden Schrott den Kopf eines weiblichen Cyborgs findet. Kurzerhand nimmt er das Fundstück mit und fertigt einen passenden Körper, doch seine Schöpfung – von ihm alsbald auf den Namen Alita getauft – kann sich beim besten Willen nicht an ihre Vergangenheit erinnern. Mit staunen begegnet sie der ihr fremden Welt und freundet sich alsbald mit dem umtriebigen Hugo an, doch zunehmend drängt es sie, mehr über ihre Vergangenheit und Herkunft zu erfahren. So gerät Alita alsbald mit finsteren Gestalten aneinander und lange schlummernde Kampfreflexe regen sich in ihr, die eine Art Aufmerksamkeit erregen, die bis hinauf ins sagenumwobene Zalem reicht…

Rezension:

Ich muss ja gestehen, mich lange Zeit nicht an Alita: Battle Angel herangewagt zu haben, weil mich die übergroße Augen der Protagonistin dahingehend abgeschreckt haben, dass ich mir nicht vorstellen konnte, eine Beziehung zu dieser Figur aufbauen zu können, weil dieser Look – der im Vorfeld ja auch oft und gerne kritisiert wurde – im Standbild eben schlichtweg merkwürdig und fremd wirkt. Nachdem nun aber bekanntermaßen zahlreiche Stimmen laut wurden, die nachdrücklich auf eine Fortsetzung bestehen – ganz davon abgesehen, dass ich zunehmend Positives zu dem Film vernahm – wurde ich dann letztlich doch schwach, als sich mir die Möglichkeit bot, günstig an die UHD-Variante des Streifens zu kommen, denn ungeachtet meiner persönlichen Aversionen gegen die Physiognomie der Hauptfigur schien mir gerade dieser Streifen mehr als geeignet, einmal die Möglichkeiten von 4K und HDR zu erleben. Zu meinem großen Glück sollte ich einerseits Recht, andererseits Unrecht haben, denn wahr ist, dass der Film nahe dran ist, als visuelles Meisterwerk betitelt zu werden und falsch, dass ich mich nicht mit Alita habe anfreunden können, denn im bewegten Bild funktioniert die Figur tatsächlich vom ersten Moment und wirkt ganz gewollt sowohl vertraut als auch fremd, was so ziemlich zusammenfasst, was Regisseur Rodriguez sicherlich hat erreichen wollen.

Szenenbild aus Alita: Battle Angel | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Ursprünglich wollte ja James Cameron persönlich die Verfilmung des Kult-Mangas übernehmen, doch letztlich räumte er nun einmal für den Kollegen Robert Rodriguez das Feld und tatsächlich ist dessen Einfluss deutlich spürbar. Denn auch wenn der vorrangig für seine blutigeren und brutaleren Filme wie Sin City oder Machete bekannt sein mag, hat er nun einmal auch die Spy Kids-Filme ins Leben gerufen und im Grunde vereint Alita: Battle Angel inhaltlich das Beste aus beiden Welten. Die vergleichsweise niedrige Altersfreigabe ab 12 Jahren – die ebenfalls einiges an Kritik einheimste – lässt dabei natürlich erahnen, dass es hier doch eher familienfreundlich zur Sache geht, doch in Relation betrachtet gibt es schon einige überraschend brutale Szenen, wohingegen man dramaturgisch schon von einer gewissen Familientauglichkeit ausgeht, wofür auch der Rennsport "Motorball" spricht, der nicht nur prägnant vertreten ist und insbesondere Alita reizt, sondern eben auch Anlass zu unblutigen, aber temporeichen Actioneinlagen bietet. Mir persönlich hätte es zugegebenermaßen auch gelangt, wenn diese Wettkampf-Einsprengsel ein wenig zurückgefahren worden wären, aber dennoch fügen sich diese in Kombination mit Alitas ungewöhnlicher Coming-of-Age-Story zu einem weitestgehend stimmigen Ganzen, auch wenn keines der Versatzstücke das Genre neu erfindet oder auch nur nachhaltig bereichert.

So sieht allein die heruntergekommene Iron City im Grunde ähnlich aus, wie uns auch Spielberg schon in Ready Player One die Zukunft hat verkaufen wollen, während man vom sagenumwobenen, über der Stadt schwebenden Zalem leider herzlich wenig zu Gesicht bekommt, was allein schon beinahe zwingend für eine Fortsetzung spricht. Für mich persönlich gibt es da noch einen ganz anderen Grund, der ebenfalls mit Zalem in Zusammenhang steht und in der letzten Einstellung des Films offenbart wird, doch da ich ja nicht spoilern möchte, belasse ich es bei dieser nebulösen Andeutung. Vielleicht ist aber gerade der Umstand, dass Alita: Battle Angel in so vielen Belangen spürbar auf Fortsetzung geeicht ist, einer der größten Kritikpunkte, den ich an dem Film überhaupt habe, denn auch wenn die Story an sich überzeugend durchexerziert und zu Ende gebracht wird, merkt man doch deutlich, wie vieles nicht abschließend behandelt worden ist, um eben besagter Fortsetzung Tür und Tor zu öffnen. Von diesen dramaturgischen Unpässlichkeiten aber einmal abgesehen, kommt der Film einem visuellen Rausch gleich und übertreibt es in dieser Hinsicht beinahe, vermag mit ruhigeren Charaktermomenten und einigen Verschnaufpausen aber stets im richtigen Moment zurück zu rudern, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, nur visuelles Blendwerk zu kredenzen. Genauso wichtig wie der Look des Films war den Drehbuchautoren James Cameron und Laeta Kalogridis zum Glück nämlich, Alitas Geschichte zu erzählen und da entpuppen sich die unnatürlich großen Augen tatsächlich sogar als Vorteil, gelten die Augen schließlich bekanntermaßen als Fenster zur Seele und so ist man als Zuschauer immer ganz nah an Alitas Emotionen, wenn sie die für sie fremde Welt erkundet, den charmanten Hugo kennenlernt oder in ihre erste Auseinandersetzung gerät.

Szenenbild aus Alita: Battle Angel | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

In diesem Zusammenhang überzeugt derweil nicht nur Rosa Salazar (CHIPS) in der Rolle der Alita, sondern ihr gegenüber auch Christoph Waltz (Legend of Tarzan) als deren Ziehvater Dr. Dyson Ido, auch wenn man ihm gerne noch ein wenig mehr Bedeutung beziehungsweise Screentime innerhalb der Geschichte hätte zuteilwerden lassen könne. Das allerdings ist ein Symptom, unter dem auch der Rest des Casts zu leiden hat, denn auch die als Antagonisten in Stellung gebrachten Figuren Vector (Mahershala Ali, Luke Cage), und Chiren (Jennifer Connelly, Amerikanisches Idyll) wirken in ihrer charakterlichen Entwicklung und Darbeitung zuweilen merkwürdig unfertig und austauschbar, auch wenn sowohl Ali als auch Connelly zumindest einzelne, starke Szenen für sich zu verbuchen wissen. Besser ergeht es im Grunde einzig Ed Skrein (Deadpool) als oft präsenter Hunter-Warrior Zapan, derweil Jackie Earle Haley (The Tick) als vor Muskeln strotzender Grewishka kaum wiederzuerkennen ist. Im Grunde sind dies aber eben alles tatsächlich nur Statisten in Alitas persönlicher Geschichte, die gleichsam zu unterhalten wie zu berühren weiß und die eben noch längst nicht zu Ende erzählt worden ist, weshalb auch ich mich nun bei den Massen derer einordne, die lautstark nach einer Fortsetzung verlangen, denn auch wenn Alita: Battle Angel das Rad nicht neu erfindet, zuweilen vorhersehbar sein mag und es mancherorts mit dem visuellen Bombast zu übertreiben droht, gäbe es noch so viel mehr von ihr – und vor allem Zalem – zu erfahren, was ich uns ungern vorenthalten sehen würde.

Fazit & Wertung:

Robert Rodriguez liefert mit Alita: Battle Angel eine durchweg kurzweilige wie abwechslungsreiche Coming-of-Age-Story vor ungewöhnlicher Kulisse ab und kredenzt ein visuell spektakuläres Abenteuer sondergleichen. Hätte die eigentliche Story zwar durchaus ein wenig tiefgründiger und unvorhersehbarer daherkommen können, macht das insbesondere die sympathische Hauptfigur Alita weitestgehend wett. Und trotz geringer Altersfreigabe kommt das Geschehen ansprechend düster und fatalistisch daher, bewahrt sich aber gleichsam einen familienfreundlichen Touch.

7,5 von 10 sich langsam wieder einstellenden Erinnerungen

Alita: Battle Angel

  • Sich langsam wieder einstellende Erinnerungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Robert Rodriguez liefert mit Alita: Battle Angel eine durchweg kurzweilige wie abwechslungsreiche Coming-of-Age-Story vor ungewöhnlicher Kulisse ab und kredenzt ein visuell spektakuläres Abenteuer sondergleichen. Hätte die eigentliche Story zwar durchaus ein wenig tiefgründiger und unvorhersehbarer daherkommen können, macht das insbesondere die sympathische Hauptfigur Alita weitestgehend wett. Und trotz geringer Altersfreigabe kommt das Geschehen ansprechend düster und fatalistisch daher, bewahrt sich aber gleichsam einen familienfreundlichen Touch.

7.5/10
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Alita: Battle Angel ist am 01.08.19 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray inklusive 3D Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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