Review: Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen (Film)

Noch immer lasse ich mich ja von dem langsam zum Erliegen kommenden Sozialleben nicht beirren und poste munter weiter, auch wenn die Zugriffszahlen nicht unbedingt dafür sprechen mögen, dass die Daheimgebliebenen gerade gesteigertes Interesse an Film-Kritiken hätten.

Percy Jackson
Im Bann des Zyklopen

Percy Jackson: Sea of Monsters, USA 2013, 106 Min.

Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Thor Freudenthal
Autoren:
Marc Guggenheim (Drehbuch)
Rick Riordan (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Logan Lerman (Percy Jackson)
Brandon T. Jackson (Grover)
Alexandra Daddario (Annabeth)
Jake Abel (Luke)
Douglas Smith (Tyson)
Stanley Tucci (Mr. D)
Anthony Stewart Head (Chiron)
Nathan Fillion (Hermes)

Genre:
Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Gleichwohl Percy Jackson die Welt gerettet hat, indem er dem wütenden Zeus seinen Herrscherblitz widerbeschafft und Hermes‘ Sohn Luke aufgehalten hat, ist er mitnichten der Star im Halbgötter-Camp, denn die ehrgeizige wie arrogante Ares-Tochter Clarisse LaRue läuft ihm ein ums andere Mal den Rang ab. Ohnehin schon ge- und entnervt, muss Percy alsbald auch noch erfahren, dass sein Vater Poseidon mit einer Nymphe verkehrt hat, woraus sein Zyklopen-Halbbruder Tyson hervorgegangen ist, den es jüngst ebenfalls ins Camp verschlagen hat. Der wird als Monster von den Halbgöttern skeptisch beäugt, während auch Percys beste Freundin Annabeth so ihre Vorbehalte gegenüber Zyklopen hat. All das wird aber zweitrangig, als unerwartet der Schutzwall um das Camp eingerissen wird. Annabeth hat zwar eine Idee, der Sache beizukommen, doch Dionysos tut ihren Vorschlag ab, um im nächsten Atemzug Clarisse auf ebenjene Mission zu schicken. Einmal mehr tun sich Percy, Annabeth und Grover zusammen, um auf eigene Faust loszuziehen, zumal schnell klar ist, dass erneut Luke hinter der Sache steckt. Um an dessen Aufenthaltsort zu gelangen, könnte derweil ein Besuch bei seinem Vater Hermes hilfreich sein…

Rezension:

Ich hatte ja bereits im Rahmen meiner Besprechung zu Percy Jackson – Diebe im Olymp angekündigt, mir trotz dessen durchwachsener, eher mäßiger Qualität alsbald auch den Nachfolger Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen ansehen zu wollen, doch dass es dann so schnell gehen würde, hätte ich selbst nicht geahnt. Ob es nun daran gelegen hat, dass ich bereits wusste, was mich erwarten würde oder daran, dass ich meine Erwartungshaltung bereits massiv gedrosselt habe, muss ich sagen, dass mir der zweite Teil doch tendenziell besser gefallen hat als der Erstling. So wirkt die Ausrichtung des Ganzen trotz immer noch vorhandener Albereien etwas zielgerichteter, der Plot etwas stringenter und das Geschehen als solches etwas durchdachter, auch wenn man hier ebenfalls nicht so sehr auf Logik und Kohärenz schielen sollte. Ansonsten biete der Film zugegebenermaßen auch schlichtweg mehr vom Gleichen und so fühlt man sich natürlich direkt wieder heimisch im Halbblut-Camp, auch wenn Chef-Zentaur Chiron nun nicht mehr wie Pierce Brosnan sondern weit eher wie Anthony Stewart Head (Buffy) aussieht. Und auch wenn ich kein Fan von Umbesetzungen bin – und mich ohnehin frage, wieso das nicht einfach ein anderer Zentaur hätte sein können – weiß diese Wahl durchaus zu gefallen.

Szenenbild aus Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dafür aber – und ich bin mir nicht sicher, ob Budget- oder Qualitäts-Gründe ausschlaggebend waren – muss man auf das gesamte Dreiergestirn der aus dem ersten Teil bekannten Götter Zeus, Poseidon und Hades verzichten, derweil Stanley Tucci (Jack and the Giants) als Dionysos eine zwar gelungene, aber deutlich zu selten genutzte Ergänzung des Götter-Pantheons darstellt. Während die eigentlichen Helden – also Percy, Annabeth und Grover – keine gravierende Änderung erfahren, muss man sich am Wegesrand dafür also mit kleineren Abwandlungen und Kompromissen zufriedengeben, wobei das kaum noch eine signifikante Rolle spielt, wenn das Abenteuer erst einmal wirklich in Fahrt gekommen ist. Dabei ist es für mich völlig unverständlich, weshalb man aus dem im Original als Sea of Monster betitelten Streifen nun in der deutschen Fassung Im Bann des Zyklopen machen musste, denn fernab dessen, dass der Titel ein völlig falsches Bild vermittelt und falsche Erwartungen weckt, hätte man es halt auch bedeutend einfacher haben können.

Auf alle Fälle spielt sich vieles auf hoher See ab und vom Hippokamp bis zu Charybdis wird natürlich wieder ausgiebig im Füllhorn griechischer Mythen und Fabelwesen gewühlt, was so aber auch zu erwarten gewesen sein dürfte. Auch der bekannten Geschichte um die den olympischen Göttern vorangegangenen Titanen räumt man hier Platz ein, während das sagenumwobene Goldene Vlies gar einen zentralen Part der Handlung ausmacht. So wirklich Gedanken hat sich freilich keiner gemacht über die gewählten Versatzstücke und allein das Aufhebens, dass darum gemacht wird, dass Poseidon anscheinend noch einen Sohn – den Zyklopen Tyson (Douglas Smith, Vinyl) – gezeugt hat, steht in keiner Relation dazu, dass der hier ebenfalls in Erscheinung tretende, durch Odysseus‘ Reisen bekannte Zyklop Polyphem eigentlich ebenfalls ein Kind von Poseidon ist. Derlei Kleinigkeiten fallen bei all dem Zauber und Trubel aber natürlich auch schnell unter den Tisch und tun im Grunde wenig zur Sache, wenn der Unterhaltungswert stimmt und da hat der zweite Teil eindeutig die Nase vorn, weil er weniger fragmentarisch wirkt und auf bereits etablierte Gesetzmäßigkeiten bauen kann, wodurch die Story schneller in Fahrt kommt.

Szenenbild aus Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nichtsdestotrotz ist aber freilich auch Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen reichlich banale, oberflächlich bleibende Unterhaltung, der es kaum gelingt, den Figuren eine Art Entwicklung oder sonderliche Charakterattribute angedeihen zu lassen und somit lieber gleich auf Optik und Tempo setzt. Immerhin komödiantisch gelingen hier aber auch einige Glückstreffer wie etwa den bei UPS arbeitenden Götterboten Hermes, der hier von Nathan Fillion verkörpert werden darf und seinerseits augenzwinkernde Querverweise auf sowohl Firefly als auch Castle in den Mund gelegt bekommt, die freilich nur Eingeweihten offenbar werden dürften. Ansonsten hat man sich dummerweise gerade hier für ein eher offenes Ende entschieden, was natürlich dahingehend blöd ist, dass mittlerweile niemand mehr mit einer Fortsetzung zu rechnen braucht, zumal Percy-Darsteller Logan Lerman bereits vor Jahren konstatierte, der Meinung zu sein, er und seine Darsteller-Kollegen seien mittlerweile zu alt, um die Figuren erneut zu verkörpern. In der Summe ist also auch dieser zweite Wurf weit davon entfernt, ein wirklich sehenswerter Film zu sein, bietet aber durchweg solide Unterhaltung und ist weniger ärgerlich geraten als sein Vorgänger. Das gilt zumindest, wenn man die Bücher nicht kennt, denn in Anbetracht der zahlreichen Änderungen gegenüber der Vorlage dürften den Fans der Buchreihe auch hier wieder die Haare zu Berge stehen.

Fazit & Wertung:

Thor Freudenthal inszeniert mit Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen eine gediegene Fortsetzung zum ohnehin schon eher mäßig überzeugenden Erstling der Buchreihen-Adaption, hat tatsächlich in Sachen Unterhaltungswert aber sogar die Nase vorn und präsentiert sich als geringfügig gelungenerer Teil des kurzlebigen Franchise mit immerhin sympathischen Darstellern und ein paar netten Gags.

5,5 von 10 wütenden Göttern

Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen

  • Wütende Götter - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Thor Freudenthal inszeniert mit Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen eine gediegene Fortsetzung zum ohnehin schon eher mäßig überzeugenden Erstling der Buchreihen-Adaption, hat tatsächlich in Sachen Unterhaltungswert aber sogar die Nase vorn und präsentiert sich als geringfügig gelungenerer Teil des kurzlebigen Franchise mit immerhin sympathischen Darstellern und ein paar netten Gags.

5.5/10
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Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen ist am 12.12.13 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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