Review: Sunshine (Film)

Auch heute hole ich wieder etwas nach, was ich schon vor Jahren hätte gesehen haben wollen, wobei auch hier meine Begeisterung ganz besonders groß gewesen ist, was ja nun auch nicht immer der Fall ist, wenn sich im Laufe der Jahre eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut hat.

Sunshine

Sunshine, UK/USA 2007, 107 Min.

Sunshine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Danny Boyle
Autor:
Alex Garland

Main-Cast:

Rose Byrne (Cassie)
Cliff Curtis (Searle)
Chris Evans (Mace)
Troy Garity (Harvey)
Cillian Murphy (Robert Capa)
Hiroyuki Sanada (Kaneda)
Mark Strong (Pinbacker)
Benedict Wong (Trey)
Michelle Yeoh (Corazon)

Genre:
Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Sunshine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Lediglich fünfzig Jahre in der Zukunft ist die Sonne im Sterben begriffen und auf der Erde kündigt sich bereits eine nahende Eiszeit an. Ein erster, aberwitziger Versuch, die Sonne mittels enormer Sprengungen erneut anzuwerfen, schient gescheitert und von der Raumfähre Icarus I gibt es keine Spur mehr. Mit den restlichen Sprengstoffreserven der Erde im Gepäck wurde nunmehr die Icarus II entsandt, um einen zweiten Versuch zu starten. Zunächst läuft alles nach Plan, doch dann erreicht die Crew ein Funkspruch der verschollenen Icarus I. Das Team aus Wissenschaftlern beschließt, dass es dem Physiker Capa obliegen sollte, eine Entscheidung zu treffen, ob man dem Signal nachgehen sollte, doch immerhin müsste sich an Bord ja noch die erste Sprengladung befinden, was die Chancen verdoppeln würde, die Mission zum Erfolg zu führen, schließlich steht in letzter Konsequenz nichts weniger als das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel…

Rezension:

Lange ungerechtfertigt vernachlässigt, habe ich nun kürzlich endlich Sunshine von Regie-Tausendsassa Danny Boyle nachholen können, der mich bereits in den 1990ern mit Werken wie Trainspotting hat begeistern können und seither eigentlich immer überzeugt hat, ob es nun um das Survival-Drama 127 Hours oder den herrlich undurchsichtigen Mystery-Thriller Trance geht. 2007 aber hat sich Boyle auch an einem lupenreinen Science-Fiction-Thriller versucht, in dem es um nichts weniger geht, als das "Sterben" der Sonne zu verhindern und somit die Menschheit zu retten. Dabei vereint er einiges an gehaltvollen und vielversprechenden Zutaten, um einerseits an Bord der Icarus II fast schon eine Art Kammerspiel zu inszenieren, in Bezug auf die zunächst achtköpfige Crew und deren Verhältnis untereinander einer klassischen Tragödie in nichts nachsteht und sich zuletzt noch dazu entschließt, das Ganze in Richtung existenzialistischen Horror kippen zu lassen, was mich beispielsweise ein wenig an Event Horizon hat denken lassen, auch wenn beide Filme ansonsten kaum zu vergleichen sind.

Szenenbild aus Sunshine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Zunächst einmal geht es aber los an Bord der Icarus II und wie das immer so ist, scheint zunächst alles nach Plan zu verlaufen, bis eine Mischung aus menschlichem und technischem Versagen die Mission in Schieflage geraten lässt. Hier bedient Boyle im Grunde klassische Genre-Versatzstücke und offeriert beispielsweise den üblichen Außeneinsatz zu Reparaturzwecken, kleidet das Ganze aber in phänomenal spektakuläre Bilder, denn der prophetische Name des Schiffs ist hier wahrlich Programm und man befindet sich bereits nah an der Sonne, die es zwar einerseits zu retten gilt, die aber auch die mit Abstand größte Gefahr in den Weiten des Alls ausmacht. Federführend für den aberwitzigen Plan, der Sonne wieder neue Strahlkraft zu verleihen, ist dabei Physiker Robert Capa, für den Boyle einmal mehr Cillian Murphy (Free Fire) verpflichtet hat, der gemeinsam mit der von Rose Byrne (Juliet, Naked) verkörperten Cassie und einem – damals noch vergleichsweise unbekannten – Chris Evans (Snowpiercer) in der Rolle von Mace ein wenig das Herzstück der Besetzung, nicht aber Besatzung bildet. Die ist aber auch ansonsten mit zahlreichen bekannten Gesichtern besetzt und wird dergestalt dargestellt, dass einen die persönlichen Schicksale der Crew-Mitglieder mitnichten kalt lassen.

Weit interessanter wird die Dynamik an Bord der Icarus II aber zu gleich zwei Schlüsselmomenten. Einerseits, wenn selbige ein Funksignal der Icarus I empfängt und Capa entscheiden soll, ob es der Mühe wert ist, das havarierte Schiff zu bergen und somit über gleich zwei Sprengladungen zu verfügen, womit die Chance auf Erfolg ihrer Mission verdoppelt würde, andererseits, wenn sich herausstellt, dass der Sauerstoff an Bord nicht mehr reichen wird und man zusehends ernsthaft darüber zu debattieren beginnt, welches Crew-Mitglied entbehrlich wäre. Während es dramaturgisch gewohnt souverän und erwartungsgemäß spannend zur Sache geht, ist Sunshine vor allem aber optisch eine Wucht geworden, nicht nur, was die Sonne selbst angeht, sondern im weiteren Verlauf auch einiges andere mehr, was ich aber nicht vorwegnehmen möchte. Zumindest kann ich erläutern, dass Besagtes mit einer Figur namens "Pinbacker" zu tun hat, die von niemand Anderem als Mark Strong (Mindscape) verkörpert wird und mit recht fundamentalistischen Ansichten daherkommt. Optik und Inhalt gehen hier also Hand in Hand und erneut erweist es sich als Segen, dass nach 28 Days Later… hier einmal mehr Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Alex Garland zusammengefunden haben, derweil letzterer beispielsweise später auch für das Skript zu Ex Machina verantwortlich zeichnete (und gleichsam erstmalig die Regie übernahm).

Szenenbild aus Sunshine | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dennoch muss ich einräumen, dass Sunshine sicherlich nicht jedem gefallen wird, denn ungeachtet dessen, dass wir es hier mit originärer Science-Fiction zu tun haben, wirkt insbesondere der Ausflug ins Horror-Genre schon ein wenig auch wie ein Abschweifen in Richtung Fantasy-Gefilde und insbesondere das Finale dürfte sicherlich die Meinungen spalten. Nichtsdestotrotz – und vor allem für mich persönlich – ein visionäres und ungemein konsequent durchexerziertes Werk, das in jeglicher Hinsicht zu faszinieren und zu begeistern versteht, auch wenn man im Detail sicherlich noch ein wenig Feinschliff hätte ergänzen können. Denn insbesondere im letzten Drittel wirken die Geschehnisse doch zunehmend gehetzt, was aber natürlich auch in der Dringlichkeit der Mission begründet liegt und kein echter Kritikpunkt sein kann. Problematischer dürfte es da fast sein, dass man schon gehörig aufpassen muss, um überhaupt zu begreifen, was da gerade vor sich geht und aus welchem Grund genau. Letztlich ist aber auch das nur ein Punkt, der eine erneute Sichtung zu einem späteren Zeitpunkt geradezu begünstigt.

Fazit & Wertung:

Danny Boyle versucht sich mit Sunshine an einem Science-Fiction-Thriller und während er einerseits versiert gesetzte Erwartungen bedient, macht er sich das Genre andererseits mit seinem ureigenen Stil gekonnt zu eigen, wobei er sich in dieser Hinsicht auch auf seinen großartigen Drehbuchautor Alex Garland verlassen kann. Der illustre, von mehr oder minder bekannten Gesichtern bevölkerte Cast, ein oft überraschender Story-Verlauf, aber vor allem die visuell einzigartige Ausgestaltung tun derweil ihr Übriges, um den Film zum Erlebnis werden zu lassen.

9 von 10 verzweifelten Versuchen, die Sonne zu retten

Sunshine

  • Verzweifelte Versuche, die Sonne zu retten - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Danny Boyle versucht sich mit Sunshine an einem Science-Fiction-Thriller und während er einerseits versiert gesetzte Erwartungen bedient, macht er sich das Genre andererseits mit seinem ureigenen Stil gekonnt zu eigen, wobei er sich in dieser Hinsicht auch auf seinen großartigen Drehbuchautor Alex Garland verlassen kann. Der illustre, von mehr oder minder bekannten Gesichtern bevölkerte Cast, ein oft überraschender Story-Verlauf, aber vor allem die visuell einzigartige Ausgestaltung tun derweil ihr Übriges, um den Film zum Erlebnis werden zu lassen.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Sunshine ist am 08.10.07 auf DVD und am 23.10.09 auf Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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