Review: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (Film)

Das Marvel Cinematic Universe

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Eigentlich wäre das hier ja ein ganz klassischer Vertreter für den Freitagsfilm-Slot, aber nachdem ich in letzter Zeit so unregelmäßig zum Bloggen komme, will ich die heutige Rezension nun auch nicht noch länger liegen lassen, weshalb ich sie kurzerhand heute kredenze.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, USA/AU 2021, 132 Min.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings | © Walt Disney
© Walt Disney

Regisseur:
Destin Daniel Cretton
Autoren:
Dave Callaham
Destin Daniel Cretton
Andrew Lanham

Main-Cast:

Simu Liu (Shaun / Shang-Chi)
Awkwafina (Katy)
Meng’er Zhang (Xialing)
Fala Chen (Li)
Florian Munteanu (Razor Fist)
Ben Kingsley (Trevor Slattery)
Benedict Wong (Wong)
Michelle Yeoh (Ying Nan)
Tony Chiu-Wai Leung (Xu Wenwu)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings | © Walt Disney
© Walt Disney

Shaun und Katy sind theoretisch blitzgescheit und hätten beste Chancen, richtig Karriere zu machen, verdingen sich aber aus Überzeugung (also Bocklosigkeit) als einfache Park-Valets in San Francisco und schlagen sich die Nächte in Karaoke-Bars um die Ohren. Das läuft lange gut und Freunde wie Familie fragen sich seit geraumer Zeit, wann Katy und Shaun zueinander finden mögen, doch dann werden sie eines Tages im Bus von einer Horde Attentätern attackiert und Katy muss mit Staunen feststellen, dass an Shaun ein kleiner Martial-Arts-Profi verlorengegangen ist. Der eröffnet ihr bald darauf, eigentlich Shang-Chi zu heißen und der flüchtige Sohn von Wenwu zu sein, besser bekannt als Träger der zehn Ringe, die ihn ungemein mächtig und zudem unsterblich machen, nach denen er aber auch seine Organisation benannt hat. Shaun schwant Böses, nachdem man ihn im Bus angegriffen hat und so reist er – nachdem ihn eine entsprechende Nachricht erreicht hat – nach Macau zu seiner Schwester Xialing, um sie davor zu warnen, dass ihr Vater Wenwu anscheinend etwas im Schilde führt…

Rezension:

Ich hatte mich ja in gleich mehrfacher Hinsicht enorm auf Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings gefreut, seit ich das erste Mal Wind von dem Projekt bekam und dennoch konnte ich mich nicht überwinden, der Pandemie zu trotzen und mich ins Kino zu begeben, weshalb ich umso dankbarer bin, dass es den Film mittlerweile auch beim hauseigenen Streaming-Dienst der Maus und ihres Marvel-Zweigs zu sehen gibt. Einerseits nämlich war ich mit der Regie-Arbeit von Destin Daniel Cretton dank Short Term 12 und Schloss aus Glas bereits vertraut und entsprechend gespannt, wie er sich in dem gänzlich anders gearteten Metier der Superhelden-Filme würde behaupten können (auch wenn man hinsichtlich der Besetzung in den genannten zwei Werken wohl eher hätte vermuten dürfen, dass er Captain Marvel inszenieren würde), andererseits ist Shang-Chi der erste Held im mittlerweile mehr als üppigen Œuvre des MCU, der mir absolut nichts gesagt hat und mir weder aus meiner Kindheit noch durch Hörensagen ein Begriff gewesen ist, was natürlich dessen Erstauftritt und Origin zu einer doppelt spannenden Sache gemacht hat. Last but not least – es gehört schließlich durchaus erwähnt – handelt es sich um den ersten Marvel-Film mit durchweg asiatischem Main-Cast und erzählerischem Fokus, womit dieser Heldeneinstand natürlich einen weiteren Schritt in Richtung Diversität bedeutet, wie es auch schon bei Black Panther der Fall gewesen ist.

Szenenbild aus Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings | © Walt Disney
© Walt Disney

Nicht nur filmisch ist das ein neuer, geradezu gewagter Schritt, nein, auch für Hauptdarsteller Simu Liu ist es das, denn auch wenn der bereits auf über 40 Einträge in der IMDb kommt, sind es doch bis dato überwiegend Gast- und Nebenrollen gewesen, die er übernommen hat, wenn man einmal von der (mir unbekannten) Comedy Kim’s Convenience absieht. Schön, dass man sich hier auf ein so vergleichsweise frisches, neues Gesicht verlässt und darauf vertraut, dass die Heldenreise auch dem Schauspieler dahinter den Weg ebnen wird (womit man goldrichtig liegt). Hervorheben und unterstreichen muss man derweil auch die grandiose Chemie, die zwischen Simu Liu und der gewohnt großartigen Awkwafina (Jumanji 2), die gemeinsam ein herrlich tiefenentspanntes Slacker-Duo abgeben, das recht unsanft aus dem Alltagstrott gerissen werden wird. Bei der Exposition von Figuren und Setting bietet Cretton jetzt nichts bahnbrechend Neues, aber allein schon die einführende Legende von Wenwu und seiner zehn Ringe lässt in bester Manier an fantastisch angehauchte Martial-Arts-Filme denken und ist für sich superb inszeniert, was insbesondere für eine schwelgerische, mehr an einen Tank erinnernde Kampfchoreografie gilt, die allgemein zu den Stärken von Shang-Chi gezählt werden dürfen. Gemessen an der bisherigen filmischen Vita des Regisseurs hätte ich nun nicht unbedingt vermutet, dass er sich ausgerechnet bei den Action-Einlagen positiv hervortun würde, doch umso erfreulicher ist, zumal sich in den zwei Stunden durchaus veritabel duelliert wird, ob in San Francisco, im chinesischen Macau oder im mystischen Ta Lo.

Neben Action, Akrobatik und Abwechslungsreichtum hat Shang-Chi aber noch mehr zu bieten und punktet erfreulicherweise ebenfalls bei den Charaktermomenten und wartet mit einem der vielschichtigsten und nahbarsten Bösewichte der MCU-Historie auf, für dessen Darstellung der ungemein charismatische Tony Chiu-Wai Leung verantwortlich zeichnet, der hier tatsächlich sein US-Film-Debüt gibt, während er daheim in China seit Jahrzehnten eine große Nummer ist. Allein, das Familiendrama hätte seitens des Autoren-Trios ein wenig eleganter in die Handlung gebettet werden können, denn während schnell klar ist, dass es sich bei Wenwu als Anführer und Träger der Zehn Ringe auch um Shang-Chis Vater handelt, werden die weiteren Ereignisse und Zusammenhänge in einer Anzahl Rückblenden aufgearbeitet, die immer wieder aus dem gegenwärtigen Geschehen reißen, das für sich genommen leider auch ein wenig simpel gerät. Streicht man nämlich die Rückblenden und Erinnerungen, konzentriert sich aufs Wesentliche und darauf, was Shang-Chi aus welchen Gründen tut, bleibt eine geradezu erschreckend stringente Reise von A nach B nach C nach D, auch wenn man das mit allen Mitteln zu kaschieren versucht. Nichtsdestotrotz überzeugt Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings auf ganzer Linie und es gab ohne Frage schon weit weniger überzeugende Origin-Filme, derweil ich hier schon regelrecht darauf brenne, mehr von diesem (unfreiwilligen) Helden zu sehen, der mit seiner asiatischen Herkunft und einer für das MCU gänzlich neuen Mythologie schon jetzt gehörig frischen Wind ins Franchise bläst.

Szenenbild aus Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings | © Walt Disney
© Walt Disney

Ein wenig schade ist es daher schon, dass ausgerechnet der finale Akt nicht so zu überzeugen weiß wie das zuvor Erlebte, denn während man in den ersten zwei Dritteln gehörig Abwechslungsreichtum geboten bekommt, was nicht nur Action und Akrobatik umfasst, sondern auch einen gelungenen wie naheliegenden Gastauftritt von Wong (Benedict Wong, Doctor Strange) und einem gewissen Schauspieler, der in Iron Man 3 für Aufsehen gesorgt hat, mündet die bis dahin vielschichtige und einfühlsame Erzählung in eine CGI-Orgie, wie es sie in dem Ausmaß mitnichten gebraucht hätte. Zugegeben, die finale Auseinandersetzung ist schon immer noch anders geraten und zu bewerten als der übliche Showdown, was einmal mehr unter anderem den asiatischen Einflüssen geschuldet ist, doch Fakt ist eben auch, dass es sich um den schwächsten Part der Heldenreise handelt, wohingegen insbesondere die Mid-Credit-Scene eine der gelungensten überhaupt ist und nunmehr hoch in meiner Gunst steht. Auch nach dem Abspann sollte man freilich aufmerksam bleiben, aber das sollte man beim nunmehr fünfundzwanzigsten Filmbeitrag des MCU wohl nicht mehr gesondert erwähnen müssen.

Fazit & Wertung:

Mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings offenbart Regisseur Destin Daniel Cretton eine ganz neue Seite seines filmischen Schaffens, liefert aber dank Martial-Arts-Akrobatik und fernöstlicher Mythologie auch reichlich frische Impulse für das Marvel Cinematic Universe. Der vom Slacker zum Helden mutierende Shang-Chi heimst derweil in seiner Origin-Story reichlich Sympathiepunkte ein und muss sich einem ungemein tragischen Bösewicht entgegenstellen.

8 von 10 Ringen mit mystischen Mächten

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

  • Ringe mit mystischen Mächten - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings offenbart Regisseur Destin Daniel Cretton eine ganz neue Seite seines filmischen Schaffens, liefert aber dank Martial-Arts-Akrobatik und fernöstlicher Mythologie auch reichlich frische Impulse für das Marvel Cinematic Universe. Der vom Slacker zum Helden mutierende Shang-Chi heimst derweil in seiner Origin-Story reichlich Sympathiepunkte ein und muss sich einem ungemein tragischen Bösewicht entgegenstellen.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ist seit dem 12.11.21 ohne Aufpreis bei Disney+ verfügbar. Am 18.11.21 ist der Film auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Walt Disney erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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