Review: Jolt (Film)

Tatsächlich habe ich es heute schon wieder geschafft, einen Artikel zu Papier zu bringen und freue mich, mich mit einer neuen Film-Kritik ins Wochenende verabschieden zu können.

Jolt

Jolt, USA 2021, 91 Min.

Jolt | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Regisseurin:
Tanya Wexler
Autor:
Scott Wascha

Main-Cast:

Kate Beckinsale (Lindy)
Jai Courtney (Justin)
Stanley Tucci (Dr. Munchin)
Bobby Cannavale (Detective Vicars)
Laverne Cox (Detective Nevin)
Ori Pfeffer (Delacroix)
David Bradley (Gareth Fizel)
Susan Sarandon (Woman With No Name)

Genre:
Action | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Jolt | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Lindy hat nicht nur ein Aggressionsproblem, sondern eine ausgewachsene Impulskontrollstörung, die jegliche Skala sprengt. Klar, dass Lindy ihr gesamtes Leben mit einer mehr als kurzen Zündschnur zu kämpfen hatte und schon so manchen vergrault oder verletzt hat. Ein Job als Türsteherin mag für die jähzornige Einzelgängerin naheliegend sein, doch selbst dort droht sie schnell über die Stränge zu schlagen. Doch zum Glück ist da noch ihr Psychiater Dr. Munchin, der eine mit Elektroden gefütterte Weste ersonnen hat, mittels derer sich Lindy "zur Ruhe schocken" kann. Das funktioniert tatsächlich und als Lindy dann auch noch einen netten Kerl kennenlernt, scheint es bergauf zu gehen in ihrem unsteten und von Aggression dominierten Leben. Dann aber wird ihr neuer Freund Justin ermordet und Lindy hat endlich einen Anlass, ihrer Wut freien Lauf zu lassen…

Rezension:

Es ist jetzt auch schon wieder zwei Wochen her, dass Jolt bei Amazon Prime auf Sendung gegangen ist, doch man wird sich denken können, dass ich mich recht schnell auf die Action-Chose gestürzt habe, die neben ihrer spleenigen und Spaß versprechenden Prämisse eben auch Kate Beckinsale zu bieten hat, die ich seit den zunehmend unsäglicher gewordenen Underworld-Filmen nicht mehr in einer derart schlagkräftigen Rolle mehr gesehen habe. Und tatsächlich liefert die für die Rolle eigens erblondete Kate auf ganzer Linie ab und verkörpert glaubhaft die jähzornige und impulsgesteuerte Lindy, so dass der Film allein durch diesen Aspekt zu einem wahren Vergnügen wird. Leider aber vermag das Skript von Scott Wascha da nicht annähernd mitzuhalten und so finden sich im Mittelteil des gerade einmal anderthalbstündigen Streifens tatsächlich leichtere Längen, wenn man sich auch um Abwechslung und Einfallsreichtum bemühen mag.

Szenenbild aus Jolt | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Der Film beginnt dabei ziemlich großartig mit einer komprimierten Schnittfassung des bisherigen Lebens von Lindy – mit der Erzählerstimme ein wenig auf modernes Märchen getrimmt – und geht dann mit Verve und Tempo in die Gegenwart über, wo Lindy auf dem Weg zu einem Date ist und von so mancher Gewaltfantasie berauscht wird. Die sind oftmals auch inszenatorisches Highlight von Jolt, weil herrlich schwarzhumorig und gleichzeitig überraschend derb und explizit gestaltet, ganz davon ab, dass man oft mit Lindy fühlt, auch wenn ihre Methoden ein wenig zu drastisch sein mögen. So weiß dann aber die Realität oftmals nicht mit dem mitzuhalten, was Lindy sich so ausmalt, zumal sie sich selbst mit ihrer Elektroden-Weste zu bändigen weiß. Natürlich wird im weiteren Verlauf dann auch mal über die Stränge geschlagen, doch hätte die Action durchaus besser inszeniert werden können, was Schnitt und Timing angeht, wobei ich auch zu behaupten wage, dass sich da möglicherweise eine im Action-Metier versiertere Person als Tanya Wexler angeboten hätte, deren bisherige Regie-Arbeiten (beispielsweise In guten Händen) sie nicht unbedingt für einen reißerischen Actioner empfehlen.

Hätte besser sein können heißt im Umkehrschluss aber mitnichten, dass der Film nicht auch Spaß machen würde und ich für meinen Teil fühlte mich glänzend unterhalten von dieser abstrus augenzwinkernden Chose, die immer wieder zwischen reinrassigem Action-Thriller und tiefschwarzer Komödie changiert und eben nicht nur Kate Beckinsale (The Widow) in jedem Moment bestens in Szene setzt, sondern zudem noch mit Stanley Tucci (The Silence) in der Rolle ihres Psychiaters Dr. Munchin begeistert, der schon nach der Waffe greift, wenn er sie nur kommen hört. Die Rolle mag kleiner angelegt sein, was gleichsam auch für den von Jai Courtney (Stateless) verkörperten Justin gilt, doch macht deren Beteiligung die Sache noch einmal deutlich runder, während ansonsten Laverne Cox und Bobby Cannavale (Vinyl) als Detective-Duo überzeugen.

Szenenbild aus Jolt | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Zweifellos hätte man aus der Prämisse noch weitaus mehr machen können, könnte man sich an erzählerischen Entscheidungen stören oder daran, dass die Action manches Mal längst nicht so krawallig und krachend ausfällt, wie man es sich hätte wünschen können, doch als launiger No-Brainer mit einer bestens aufgelegten Hauptdarstellerin und haufenweise humorigen Jähzorns-Einspielern gibt es ohne Frage auch schlechtere Ideen, um anderthalb Stunden zu verbringen. Sicherlich, vieles ergibt hier nicht wirklich Sinn oder wirkt forciert und aufgesetzt, gehört dann aber auch irgendwie zum Konzept von Jolt, der sich spürbar wenig ernst nimmt in dem, was er kredenzt. So krude in dem Zusammenhang dann auch der Mini-Auftritt von Susan Sarandon anmuten mag, der eigentlich nur dazu dient, die Möglichkeit einer Fortsetzung anzudeuten, schätze ich ihn eben genau dafür, denn tatsächlich hätte ich nicht wenig Lust, Lindy ein weiteres Mal beim Eskalieren zuzuschauen. Dann gerne mit einem ausgereifteren Skript und schnittiger inszenierter Action.

Fazit & Wertung:

Der von Tanya Wexler inszenierte Jolt hat so seine inszenatorischen wie dramaturgischen Schwächen und sollte nicht unbedingt auf Konsistenz oder Logik abgeklopft werden, doch eine aberwitzige Prämisse, herrlich schwarzer Humor und eine bestens aufgelegte und auf Krawall gebürstete Kate Beckinsale machen aus der Chose anderthalb Stunden sinnfreie, aber charmant-derbe Unterhaltung.

6,5 von 10 Trigger-Momenten

Jolt

  • Trigger-Momente - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Der von Tanya Wexler inszenierte Jolt hat so seine inszenatorischen wie dramaturgischen Schwächen und sollte nicht unbedingt auf Konsistenz oder Logik abgeklopft werden, doch eine aberwitzige Prämisse, herrlich schwarzer Humor und eine bestens aufgelegte und auf Krawall gebürstete Kate Beckinsale machen aus der Chose anderthalb Stunden sinnfreie, aber charmant-derbe Unterhaltung.

6.5/10
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Jolt ist seit dem 22.07.21 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.


vgw

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