Review: Doctor Who | Staffel 12 (Serie)

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Doctor Who

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Ein für mich höchst ungewöhnlicher Tag für eine Serien-Rezension, doch irgendwann muss ich ja mal wieder in den Sattel steigen, gerade in Anbetracht dessen, was schon wieder so an neuer Serienkost veröffentlicht worden ist und womit ich mich so im Rückstau befinde. Dennoch nicht das erfreulichste Thema, um "zurückzukehren".

Doctor Who
Staffel 12

Doctor Who, USA 2005-, ca. 45 Min. je Folge

Doctor Who | © WVG Medien
© WVG Medien

Serienschöpfer:
Sydney Newman
Ausführender Produzent:
Chris Chibnall

Main-Cast:
Jodie Whittaker (The Doctor)
Bradley Walsh (Graham O’Brien)
Tosin Cole (Ryan Sinclair)
Mandip Gill (Yasmin Khan)
in weiteren Rollen:
Sacha Dhawan (The Master)
Patrick O’Kane (Ashad)
Jo Martin (Ruth Clayton / The Doctor)
John Barrowman (Captain Jack Harkness)

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Doctor Who | © WVG Medien
© WVG Medien

Auf der ganzen Welt segnen Agenten und Spione auf unerklärliche und teils drastische Weise das Zeitliche und selbst der MI6 weiß sich nicht anders zu behelfen, als den Doctor zu Rate zu ziehen, auf dass sie dahinterkommen möge, woher die Bedrohung rührt und welcher Art sie ist, denn ein irdischer Ursprung lässt sich schnell ausschließen. Doctor nebst Begleiter*innen verdingen sich schnell als Nachwuchsagenten und kommen der Bedrohung näher, doch dann gibt sich ein alter Freund des Doctors zu erkennen und lässt die drohende Invasion in einem neuen Licht erscheinen. Doch selbst mit dem Abwenden dieser Gefahr muss der Doctor erkennen, dass das Universum jüngst wieder vor Gräueln und Geheimnissen strotzt, so dass selbst Jack Harkness aus der Versenkung bequemt, um eine Warnung in Richtung Doctor auszusprechen, sie möge sich vor dem einsamen Cyberman hüten…

Rezension:

Ich bin ja nun bekanntermaßen auch kein riesiger Fan der elften Staffel Doctor Who gewesen und musste mich mit dem doch sehr andersartigen Look-&-Feel erst anfreunden, das uns da kredenzt wurde, auch wenn ich mich ganz grundsätzlich ja immens auf Jodie Whittaker (Black Mirror) als neuen Doctor gefreut habe. Die ist hie wie dort nun auch in der zwölften Staffel einer der Lichtblicke der Staffel überhaupt, bekommt aber erneut viel zu wenig Zeit und Raum, um wirklich zu glänzen, denn auch wenn der umtriebige Timelord schon immer auch als Erklärbär hat fungieren dürfen, fehlen mir mancherorts die spontan-kreativen Lösungen für ausgefallene Probleme. Zudem schleichen sich auch im Verhalten des Doctor zuweilen leichte Misstöne ein, speziell was "ihre Fam" angeht, also die Schar an Begleiter*innen, deren Wohl sie einerseits über alles stellt, denen sie aber auch überraschend distanziert und verschlossen begegnet, wie hier mehr als deutlich wird. So ist die schiere Menge an Mitreisenden auch diesmal wieder etwas, was mehr schadet als nützt, weil man sich auf niemanden so richtig konzentrieren kann, während Charakterentwicklung und -momente oder auch nur ein paar intimere Dialogzeilen extrem rar gesät bleiben.

Szenenbild aus Doctor Who | © WVG Medien
© WVG Medien

Speziell die Geschichte von Graham (Bradley Walsh) scheint bereits auserzählt zu sein, denn gleichwohl er mir der sympathischste der drei ist, beschränkt sich seine Rolle hier zunehmend auf die des kauzigen Sidekick, während man sich bei Yas (Mandip Gill) und Ryan (Tosin Cole) zumindest noch Mühe gibt, den Figuren weitere Facetten zu verleihen. Das mag aber wieder jede*r anders empfinden und unterstreicht nur, dass vier Leute schlicht zu viel sind, um ihnen in einer Abenteuer-Science-Fiction-Fantasy-Serie die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, zumal mit jedem neuen Abenteuer ja auch immer mal wieder und immer neue, zeitweilige Weggefährten hinzukommen, denen man sich zusätzlich zu widmen hat. Zumindest im nächsten Jahr schafft Doctor Who zwar dahingehend Abhilfe und reduziert das Ensemble ein wenig, doch stellt sich da die bange Frage, wer überhaupt noch einschalten wird, nachdem Showrunner Chibnall sich in diesem Jahr überlegt hat, so ziemlich alles über den Haufen zu werfen, was es an etabliertem Kanon zu dem umtriebigen Timelord so geben mag. Aber der Reihe nach.

Schon mit dem Auftaktzweiteiler Spyfall (12.01/12.02) der erneut zehnteiligen Staffel hinterlässt Doctor Who nämlich meines Erachtens einen sehr zweischneidigen Eindruck, denn die James-Bond-Anleihen mögen grundsätzlich ganz gut gelungen sein, passen aber so gar nicht zur Serie als solchen, zumal man hier auch einen bekannten Widersacher (Sacha Dhawan, Iron Fist) des Doctor zurückkehren lässt, aber die nötigen Erklärungen schuldig bleibt, wie dies nun genau möglich gewesen sein soll. Immerhin etabliert das eine Art übergeordneten Handlungsbogen, derer es in der Chibnall-Ära ja nun noch nicht wirklich welche gegeben hat, doch bleibt die Skepsis, wohin genau das alles führen soll. Zu nichts Gutem, wird die zeitweilige Antwort lauten, denn die sich anschließende Episode Waise 55 (12.03) gehört zum Schlechtesten, was die Serie bislang hervorgebracht hat und kommt zu allem Überfluss mit einem Holzhammer-Belehrungs-Monolog daher, bei dem es einem – mir – kalt den Rücken runterläuft, zumal man sich in dem Kontext fragen mag, ob bei der BBC schon einmal jemand so etwas wie Zielgruppenbestimmung betrieben hat. Immerhin geht es von diesem Punkt (quasi zwangsläufig) aufwärts und beispielsweise Im Taumel der Zeit (12.05) hat mir sehr gut gefallen, zumal sie mit gleich zwei überzeugenden Gastauftritten aufwartet, die begeistern und zum Rätseln anregen.

Szenenbild aus Doctor Who | © WVG Medien
© WVG Medien

Ohne jetzt jede einzelne Episode durchexerzieren zu wollen, lässt sich als verbindendes Element aber leider bei vielen von ihnen festhalten, dass sie vielversprechend beginnen und mit teils faszinierender Prämisse locken, spätestens aber im Mittelteil ihr Momentum verlieren und damit gehörig an Reiz, denn meist gelingt es dem Autoren-Team nicht, eine bis zuletzt stimmige und überzeugende Geschichte zu erzählen. Besonders erschreckend deutlich wird das dann eben auch beim Staffelfinale, welches aus Aufstieg der Cybermen (12.09) und Die zeitlosen Kinder (12.10) besteht, denn während die erste der beiden Episoden noch Interesse schürt, mit einer in Irland verorteten Parallelhandlung neugierig macht und mit Ashad (Patrick O’Kane) einen bedrohlichen und spannenden Widersacher zu bieten hat, wird vieles davon in der finalen Folge mit Füßen getreten, beiseitegelegt oder – noch am schlimmsten – ad absurdum geführt, denn egal was man davon halten mag, wenn Gesetztes neu interpretiert, Vergangenes ignoriert und Bekanntes alternativ arrangiert wird, stimmig muss es sein und gelungen. Chibnall hingegen entscheidet sich für den Weg des größten Widerstands und reißt mit Schmackes ein, was Grundpfeiler von Doctor Who gewesen ist, um… – ja was eigentlich? Fans zu verprellen und einen nonverbalen Mittelfinger vom Stapel zu lassen? Ist ihm beides gelungen, und auch wenn ich nicht zu der Fraktion gehöre, die jetzt "nie wieder einschaltet", gab es zugegebenermaßen wenig an dieser Staffel, was ich einfach nur genießen und mögen konnte, denn in Sachen Dramaturgie, vor allem aber Kohärenz befinden wir uns längst im qualitativ freien Fall.

Fazit & Wertung:

In dem Bestreben, sich von der Moffat-Ära zu emanzipieren, schlägt Chris Chibnall in der zwölften Staffel Doctor Who noch vehementer um sich und zertrümmert dabei ohne Rücksicht auf Verluste vieles, was bislang fest im Kanon der Show verankert schien. Soll er gerne machen, die Art und Weise ist allerdings alles andere als souverän und so verbinden sich bemühte Twists und behäbiges Storytelling zu einer allenfalls mittelmäßigen Staffel, in der nicht mehr viel an den früheren Doctor erinnert, vor allem aber nichts Neues angeboten wird, für das man sich begeistern könnte.

6 von 10 Reisen mit der TARDIS

Doctor Who | Staffel 12

  • Reisen mit der TARDIS - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

In dem Bestreben, sich von der Moffat-Ära zu emanzipieren, schlägt Chris Chibnall in der zwölften Staffel Doctor Who noch vehementer um sich und zertrümmert dabei ohne Rücksicht auf Verluste vieles, was bislang fest im Kanon der Show verankert schien. Soll er gerne machen, die Art und Weise ist allerdings alles andere als souverän und so verbinden sich bemühte Twists und behäbiges Storytelling zu einer allenfalls mittelmäßigen Staffel, in der nicht mehr viel an den früheren Doctor erinnert, vor allem aber nichts Neues angeboten wird, für das man sich begeistern könnte.

6.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 12

01. Spyfall Teil 1 (6/10)
02. Spyfall Teil 2 (6/10)
03. Waise 55 (4/10)
04. Unter Strom (6,5/10)
05. Im Taumel der Zeit (7/10)
06. Praxeus (5/10)
07. Die Götter der Finsternis (6/10)
08. Spuk in der Villa Diodati (7/10)
09. Aufstieg der Cybermen (6/10)
10. Die zeitlosen Kinder (4,5/10)

 
 
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Doctor Who | Staffel 12 ist am 09.10.2020 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von polyband/WVG Medien erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:






Blu-ray:




vgw

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