Review: Short Term 12 – Stille Helden (Film)

Heute gibt es gleich noch einen Film mit Brie Larson, die sich immer mehr zu einer meiner Lieblingsdarstellerinnen mausert, denn so unterhaltsam und wunderbar sie als Superheldin sein mag, hat sie mich hier noch weitaus mehr berührt!

Short Term 12
Stille Helden

Short Term 12, USA 2013, 96 Min.

Short Term 12 - Stille Helden | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Regisseur:
Destin Daniel Cretton
Autor:
Destin Daniel Cretton

Main-Cast:
Brie Larson (Grace)
John Gallagher Jr. (Mason)
Kaitlyn Dever (Jayden)
Rami Malek (Nate)
LaKeith Stanfield (Marcus)
Kevin Hernandez (Luis)
Melora Walters (Dr. Hendler)
in weiteren Rollen:
Stephanie Beatriz (Jessica)
Lydia Du Veaux (Kendra)
Alex Calloway (Sammy)
Frantz Turner (Jack)
Diana Maria Riva (Nurse Beth)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Short Term 12 - Stille Helden | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Gemeinsam mit einer Handvoll Kollegen betreut Grace eine Gruppe gefährdeter Jugendlicher, die teils schwer traumatisiert worden sind. Enormen Rückhalt bietet ihr hier ihr ebenfalls dort arbeitender Freund Mason, denn die Arbeit mit den Kindern vermag teils regelrecht an die Substanz zu gehen. In ihrer Kindheit und Jugend hat Grace allerdings auch so ihre Erfahrungen gemacht und vermag sich gut in die Gefühlslage der Jugendlichen hineinzuversetzen. Das gilt besonders für Neuankömmling Jayden, die mit ihrer aufmüpfigen Art zwar prompt allerorten aneckt, in der sich Grace aber vor allem auch selbst wiedererkennt. Während die Betreuer von "Short Term 12" sich allerdings tagein tagaus für ihre Schützlinge engagieren, droht Grace‘ Vergangenheit sie schließlich einzuholen, woran die junge Frau beinahe zu zerbrechen droht, zumal sich ihr Leben auch sonst nicht gerade unkompliziert gestaltet…

Rezension:

Nachdem Brie Larson als Captain Marvel derzeit in aller Munde ist, wollte ich mich auch mal einem der (zumindest hierzulande) eher wenig beachteten Werke mit ihr widmen und habe mich jüngst an Short Term 12 – Stille Helden gewagt, der mich trotz seiner Kürze und dem überschaubaren Budget als feinfühliges und sensibles, akribisch gefilmtes und emotional geschildertes Indie-Drama ungemein zu berühren wusste. Das lag auch, aber nicht nur, eben an Brie Larson in einer regelrechten Ausnahmedarstellung, die hier in die Rolle der Betreuerin Grace alles an Schmerz und Optimismus legt, was man sich nur vorstellen kann. So ist der nach dem gleichnamigen Kurzfilm von 2008 entstandene Festival-Hit zwar ein Film der leisen Töne, geht allein seiner Thematik nach aber merklich an die Substanz, wenn man sich auf die vielen verkrachten Existenzen, die enttäuschten und unverstandenen Kinder und ihre heillos überforderten, aber immer auch zuversichtlichen Betreuer einlässt.

Szenenbild aus Short Term 12 - Stille Helden | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Dabei gelingt Regisseur Destin Cretton zu jeder Zeit die oft schwierige Gratwanderung zwischen tragikomischen Elementen, hoffnungsvoller Botschaft und eindringlicher Dramaturgie, die mit gefühlter Leichtigkeit das Figurenkonsortium skizziert, was sowohl die Betreuer als auch deren Schutzbefohlene umfasst. So ist Short Term 12 trotz übergeordneter Handlung auch immer ein Film der Miniaturen und Alltagsbetrachtungen, die sich zu einem vielseitigen und abwechslungsreichen Blick auf diesen ungewöhnlichen Mikrokosmos verdichten lassen, dem eine zwar stille Tragik innewohnt, der aber auch immer den Lichtstreif am Horizont erkennen lässt, denn die aufopferungsvolle Art der Betreuer wirkt hier absolut natürlich und ungekünstelt, wobei es ein gelungener Kniff ist, hier in Gestalt des von Rami Malek (The Saints) verkörperten Nate ebenfalls für einen Neuzugang zu sorgen, der mit unverbrauchtem und teils naiven Blick an diese anspruchsvolle Aufgabe herangeht und sich freilich auch unweigerlich das eine oder andere Mal der Lächerlichkeit preisgibt.

Doch Short Term 12 ist eben weder Film der müden Witze noch abgedroschenen Klischees und auch wenn das Verhalten mancher Figur vielleicht zunächst schmunzeln lässt, bleibt einem doch allzu oft das Lachen im Halse stecken, wenn Schicht um Schicht freigelegt wird, wieso sie überhaupt dort gelandet sind und was ihnen widerfahren sein mag. In dieser Hinsicht kommt dann eben auch die Figur der jüngst in dem Betreuungsheim gelandeten Jayden (Kaitlyn Dever, Grow Up!?) zum Tragen, die von nachvollziehbarem Zorn erfüllt zunächst ihre Grenzen testet und nicht einsehen will und kann, weshalb sie überhaupt dort gelandet ist. Grace wiederum erkennt in ihr und ihrem Verhalten alsbald sich selbst in jüngeren Jahren wieder und die Szenen zwischen Larson und Dever gehören zum mitunter Stärksten, was der Film zu bieten hat, wobei sich auch jeder andere Aspekt des Gezeigten hiervor nicht zu verstecken braucht.

Szenenbild aus Short Term 12 - Stille Helden | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

So kommt es Short Term 12 merklich zugute, dass Regisseur Cretton eben weiß, wovon er da erzählt und sich samt und sonders in seine Figuren einzufühlen vermag, womit er gleichermaßen Pathos als auch Kitsch umschifft und eine zwar oft schmerzliche, aber eben auch wunderschöne und vor allem berührende Geschichte erzählt, in deren Zentrum Brie Larson ihre Grace mit ungemein nuanciertem und verletzlichen Spiel brillieren lässt. Im Grunde möchte ich von der Handlung und deren Details auch gar nichts weiter vorwegnehmen, denn am besten erlebt man den Film meines Erachtens gänzlich unvorbelastet und ohne Erwartung, was zumindest bei mir dazu geführt hat, dass ich die gesamten anderthalb Stunden wie gebannt vor dem Bildschirm geklebt habe, denn es kommt selten vor, dass eine nichtsdestotrotz fiktive Geschichte von einer solchen Wahrhaftigkeit und Hingabe erfüllt ist. Zudem weiß Crettons Film auch unter formalen Aspekten zu überzeugen, wenn er seine Rahmenhandlung in zwei Anekdoten bettet, die von einem der Betreuer zum Besten gegeben werden oder mit traumwandlerischer (Selbst-)Sicherheit inszeniert, wie die routinemäßigen Zimmerdurchsuchungen ablaufen und welche Regeln es zu befolgen gilt, wobei es in dieser Hinsicht noch einiges mehr zu entdecken gibt, was ich aber wie gesagt gar nicht spoilern möchte, um die emotionale Wucht zu schmälern.

Fazit & Wertung:

Destin Daniel Cretton offeriert mit Short Term 12 – Stille Helden einen ungemein feinfühlig inszenierten Film der leisen Töne und tiefen Emotionen, in dem neben Brie Larson insbesondere die zahlreichen DarstellerInnen der Jugendlichen ungemein zu überzeugen wissen. Dank sorgsam umschiffter Klischees ein gleichermaßen warmherziger wie wahrhaftiger Blick auf einen regelrechten Mikrokosmos voller Schmerz, aber auch Hoffnung.

9 von 10 traumatisierten Jugendlichen

Short Term 12 – Stille Helden

  • Traumatisierte Jugendliche - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Destin Daniel Cretton offeriert mit Short Term 12 – Stille Helden einen ungemein feinfühlig inszenierten Film der leisen Töne und tiefen Emotionen, in dem neben Brie Larson insbesondere die zahlreichen DarstellerInnen der Jugendlichen ungemein zu überzeugen wissen. Dank sorgsam umschiffter Klischees ein gleichermaßen warmherziger wie wahrhaftiger Blick auf einen regelrechten Mikrokosmos voller Schmerz, aber auch Hoffnung.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Short Term 12 – Stille Helden ist am 26.09.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Edel Germany erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 21. März 2019

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