Review: Edge of Tomorrow – Live. Die. Repeat. (Film)

Heute war ein erschreckend unproduktiver Tag für mich und so gibt es diesmal (noch) keine neue Star Wars-Rezension. Um euch aber nicht komplett hängen zu lassen, bediene ich mich an meinem reichhaltigen Fundus bereits fertiggestellter Artikel und deshalb reden wir heute – richtig, noch ein Film mit Tom Cruise – über:

Edge of Tomorrow
Live. Die. Repeat.

Edge of Tomorrow, USA/AU 2014, 113 Min.

Edge of Tomorrow - Live Die Repeat | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Doug Liman
Autoren:
Christopher McQuarrie (Drehbuch)
Jez Butterworth (Drehbuch)
John-Henry Butterworth (Drehbuch)
Hiroshi Sakurazaka (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Tom Cruise (Cage)
Emily Blunt (Rita)
in weiteren Rollen:
Bill Paxton (Master Sergeant Farell)
Brendan Gleeson (General Brigham)
Noah Taylor (Dr. Carter)

Genre:
Science-Fiction | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Bereits vor Jahren fielen die ersten Aliens – Mimics genannt – auf der Erde ein und verwüsteten und entvölkerten große Teile des europäischen Festlands. Um den außerirdischen Wesen die Stirn bieten zu können, entwickelten die Menschen mechanische Kampfanzüge und zogen schwer gerüstet in die Schlacht. Trotz kleinerer Siege waren die Mimics jedoch weiter auf dem Vormarsch, bis zu der prestigeträchtigen Schlacht von Verdun, wo sich Rita Vrataski als Kriegsheldin profilierte und bald schon zum Aushängeschild für die Bemühungen des Militärs wurde. Diesen Umstand machte sich auch Ex-Werbefachmann Major Bill Cage zunutze und rekrutierte eifrig neue Soldaten für den noch immer andauernden Kampf gegen die Mimics.

Szenenbild aus Edge of Tomorrow - Live Die Repeat | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dann allerdings beschließt der befehlshabende General, Cage an die Front zu schicken und schlussendlich landet Cage degradiert bei den Truppen in Großbritannien am Vorabend einer alles entscheidenden Schlacht und wird, gebrandmarkt als Deserteur, einer Einheit zugewiesen, natürlich nicht, bevor er es sich auch mit dem Dienst habenden Offizier vor Ort verscherzt hat. Am Tag darauf landen die versammelten Streitkräfte in der Normandie, doch fast als hätten die Mimics sie bereits erwartet, kommt es zu einem grausamen Gemetzel, dem auch Cage zum Opfer fällt – nur um Momente später am Vorabend der Schlacht im Basislager wieder zu erwachen und den Tag bis zu seinem Tod erneut zu erleben. Und so stirbt Cage ein ums andere Mal, erwacht jedes Mal aufs Neue und kämpft sich mühsam mit jedem Mal einige Schritte weiter, bis er der leibhaftigen Rita Vrataski begegnet – und sie sterben sieht. Doch beim Mal darauf gelingt es ihm schon, ihr Leben zumindest ein wenig zu verlängern, als sie erkennt, über welche Fähigkeit Cage verfügt.

Rezension:

Kaum ein Jahr nach Oblivion 2013 stand mit Edge of Tomorrow ein weiterer Science-Fictioner mit Tom Cruise auf der Agenda, der allerdings tatsächlich eine merklich andere Marschrichtung vorgibt und deutlich action- und temporeicher daherkommt. Ähnlichkeit besteht allerdings dahingehend, dass eine im Grunde altbekannte Prämisse aufgegriffen und nach Hollywood-Maßstäben aufgebohrt worden ist, wobei hier der neuere Film tatsächlich auch die bessere Figur macht, obwohl er grundsätzlich oberflächlicher und leichtfüßiger wirkt, einfach weil er nicht so verkopft an die Sache herangeht, die Story aber vor allem mit viel augenzwinkerndem Humor angereichert worden ist, was dem Film wirklich gut zu Gesicht steht, der auch aufgrund oder möglicherweise auch trotz seiner wiederkehrenden Zeitschleifen eine stringente Marschrichtung vorgibt, wenn Doug Liman es auch vorzüglich versteht, die sich wiederholenden Passagen zu straffen und abzukürzen und im gerade richtigen Moment neue Wege zu gehen, bevor das nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorangetriebene Treiben zu langweilen droht.

Szenenbild aus Edge of Tomorrow - Live Die Repeat | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dennoch ist es in Anbetracht dieses vergleichsweise simplen Schemas auch nicht so verwunderlich, dass Edge of Tomorrow hierzulande speziell auf dem Heimkinosektor unter seiner Tagline Live. Die. Repeat. beworben wird, die eigentlich so ziemlich den Kern des Films einfängt, wenn man erst einmal die nur wenige Minuten benötigende Exposition des Settings außen vor lässt, bevor es ins Schlachtengetümmel geht. Apropos Schlachtengetümmel hatte ich anfänglich akute Bedenken bezüglich möglicherweise fehlender Härte in dem Alien-Gemetzel, wurde der Film schließlich mit einer Freigabe ab zwölf Jahren veröffentlicht, doch tatsächlich sind die Szenen so schnell geschnitten, die Aliens – so überzeugend sie auch designt sein mögen – die meiste Zeit verwischt aufgrund ihrer schieren Geschwindigkeit und das Setting allgemein überzeugend dreckig, dass mir nie in den Sinn kam, eine Szene wäre möglicherweise mit Blick auf die Freigabe entschärft oder verharmlost worden, zumal die Prämisse dazu führt, dass der Tod seinen Schrecken weitestgehend einbüßt, teilweise sogar für erfreulich schwarzhumorige Running Gags herangezogen wird.

Überhaupt punktet Limans Edge of Tomorrow mit einer Menge schöner Einfälle, was schon damit beginnt, wie zu Beginn Tom Cruise sein eigenes Strahlemann- und Weltenretter-Image aufs Korn nimmt, indem er den verschüchterten Militär-PR-Mann mimt, der nichts mehr fürchtet als auch nur in die Nähe eines echten Gefechts zu kommen und sich alsbald in der karikierten Darstellung von Bill Paxton fortführt, der einen herrlich überzogenen wie begriffsstutzig wirkenden Offizier geben darf, bevor Cruise das erste Mal ins Feld zieht und prompt – richtig – sterben darf, um noch einmal von vorn zu beginnen, ganz wie in einem Computerspiel, als welches sich der Film über weite Strecken präsentiert, bevor Cruise‘ Figur Cage dagegen aufzubegehren beginnt und neue Wege einschlägt. Zum Glück unterläuft den Machern aber auch nicht der Fehler, nur auf Krawall und Bombast zu setzen, so dass es auch immer wieder kleine Charaktermomente gibt, die, so sehr sich der Film schon auf seine beiden Hauptakteure Cruise und Blunt konzentriert, zumindest diese dem Zuschauer näher bringt. Emily Blunt, die ja unter anderem auch schon – um einen zumindest Genre-verwandten Film zu nennen – in Looper zu überzeugen wusste, macht hier übrigens eine richtig gute Figur, allein dadurch, dass sie den schlagkräftigen und mutigen Part in dem Duo übernimmt, kein bloßes attraktives Beiwerk, sondern die eigentliche Heldin des Films darstellt und in ihrem überdimensionalem Kampfanzug mit dem Megaschwert auch einfach unbeschreiblich cool ausschaut, sich den Titel Full Metal Bitch derweil redlich verdient.

Szenenbild aus Edge of Tomorrow - Live Die Repeat | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Man muss aber auch sagen, dass Edge of Tomorrow bei all der Computerspiel-Ästhetik und dem schwarzen Humor eine gehörige Portion an Suspension of Disbelief voraussetzt, denn auch wenn die ganze Zeitreisethematik zwar erklärt wird, muss man doch schon beide Augen zudrücken, um die Prämisse als Vehikel für einen schlicht unterhaltsamen Film zu akzeptieren, zumal sie zum Ende hin wenn schon nicht untergraben, so doch zumindest ausgeweitet beziehungsweise verändert wird, um einen Schluss zu generieren, wie er generischer nicht hätte sein können, weshalb die Schlussakkorde des Films gemeinsam mit dem doch überraschend handelsüblichen Finale, dem dann auch das Zeitreise-Thema nicht mehr helfen kann, den schwächsten Part des Films ausmachen. Das macht einem das Werk zwar nicht unbedingt madig, ärgert aber schon, speziell nach dem so vielversprechenden Auftakt und dem merklich spaßigeren Mittelteil, wo der Science-Fiction-Film seine größten Stärken ausspielen kann, so dass dort nicht einmal der obligatorische Erklärbär-Wissenschaftler störend ins Gewicht fällt, zumal der von Noah Taylor gemimt wird, den man im Zusammenspiel mit Tom Cruise bereits in Vanilla Sky bewundern konnte. Schlussendlich bleibt Edge of Tomorrow ein durch und durch unterhaltsamer Film ohne merkliche Durchhänger und Längen, macht überraschend viel Spaß und weiß seine Prämisse gewinnbringend einzusetzen.

Fazit & Wertung:

Wenn Limans Edge of Tomorrow auch mit bekannten Versatzstücken arbeitet, werden diese doch gekonnt neu arrangiert und schaffen einen soliden Science-Fiction-Actioner mit Computerspiel-Ästhetik und Zeitreise-Überbau, dem vor allem die beiden Hauptdarsteller Cruise und Blunt das nötige Charisma verleihen, um die eigentlich ziemlich schwer zu akzeptierende Prämisse zu schlucken und sich ganz auf das illustre Treiben einzulassen, dem leider zum Ende hin merklich die Puste ausgeht und mit ihr die einzigartige Ausrichtung des Films leider flöten.

7,5 von 10 immer wieder erlebten Szenen

Edge of Tomorrow - Live. Die. Repeat.

  • Immer wieder erlebte Szenen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Wenn Limans Edge of Tomorrow auch mit bekannten Versatzstücken arbeitet, werden diese doch gekonnt neu arrangiert und schaffen einen soliden Science-Fiction-Actioner mit Computerspiel-Ästhetik und Zeitreise-Überbau, dem vor allem die beiden Hauptdarsteller Cruise und Blunt das nötige Charisma verleihen, um die eigentlich ziemlich schwer zu akzeptierende Prämisse zu schlucken und sich ganz auf das illustre Treiben einzulassen, dem leider zum Ende hin merklich die Puste ausgeht und mit ihr die einzigartige Ausrichtung des Films leider flöten.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 8/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

Edge of Tomorrow – Live. Die. Repeat. ist am 09.10.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Schlopsi

    Absolute Spaßgranate, die beim zweiten Mal sogar richtig zünden darf. Allerdings ist das Ende, naja, du schreibst es ja, nicht so berauschend geraten und nimmt dem Film etwas von seinem flotten Drive. Wenigstens lässt die Kurzweil darüber hinwegsehen (auch wenn man sich da schon etwas anstrengen muss).

    • Es ist auch wirklich nur dieses unsägliche Ende, dass dem Film die vollen acht Punkte verwehrt, die er ansonsten durchaus verdient hätte. Ansonsten macht das alles eine Menge Spaß, insbesondere Cruise als mal nicht vom ersten Moment an weltenrettender Überheld, dafür mit einer beinharten, ultracoolen Emily Blunt an seiner Seite!

  • Ausnahmsweise ein Film, der mir mal etwas besser gefallen hat, wenn auch nur um 0,5 Punkte. Fand den auch sehr unterhaltsam und erfrischend im Genre-Einerlei.

    • Ich weiß, hatte die Review ja seinerzeit auch gelesen und kommentiert, aber leider lagst du mit deiner Vermutung von 8,5 Punkten (von mir) diesmal falsch, einfach weil a) das Finale doch sehr konventionell und einfallslos war, b) das letztendliche Ende mir zu wenig erklärt optimistisch daherkam und c) da einfach zu viel zusammengeklaut worden ist, so schön das in der Kombi auch funktioniert hat.

  • Hab mir den trotz sonstigem Cruise Boykott auch angesehen und fand ihn äußerst erfrischend. Zackig inszeniert, toll geschnitten. Einzig, wie du schon sagst, das Ende war suboptimal, aber das hat ja zum Glück zeitlich nicht sonderlich viel Raum eingenommen!

    • Das stimmt, der überzeugendere Mittelteil nimmt deutlich mehr Raum ein, aber es ist dennoch schade, dass den Autoren da keine schönere oder konsequentere Auflösung eingefallen ist.

  • Fand den nach den Endzeitschnecken vom Jahr davor überraschend erfrischend. Wie Du schreibst werden einige gute Ideen eingebracht, die Optik kann punkten und ja, lieber ein verwischtes Alien als ein schlecht CGI-iertes deutliches Alien …

  • Pingback: Review: Sicario (Film) | Medienjournal()

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