Review: Der Marsianer – Rettet Mark Watney (Film)

Beginnen wir die noch junge Woche in Sachen Film-Kritik doch prompt einmal mit einem richtig tollen Streifen, den ich vor einigen Wochen endlich habe sehen können und der mich ziemlich positiv überrascht hat wie ich sagen muss. Meine werten Mitbloggerinnen und Mitblogger haben natürlich schon längst über den Streifen berichtet, aber dafür fallen diesmal auch die "Meinungen aus der Blogosphäre" nicht so mager aus wie sonst oft.

Der Marsianer
Rettet Mark Watney

The Martian, USA/UK 2015, 144 Min.

Der Marsianer - Rettet Mark Watney | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Ridley Scott
Autoren:
Drew Goddard (Drehbuch)
Andy Weir (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Matt Damon (Mark Watney)

in weiteren Rollen:

Jessica Chastain (Melissa Lewis)
Kristen Wiig (Annie Montrose)
Jeff Daniels (Teddy Sanders)
Michael Peña (Rick Martinez)
Kate Mara (Beth Johanssen)
Sean Bean (Mitch Henderson)
Sebastian Stan (Chris Beck)
Aksel Hennie (Alex Vogel)
Chiwetel Ejiofor (Vincent Kapoor)
Benedict Wong (Bruce Ng)
Mackenzie Davis (Mindy Park)
Donald Glover (Rich Purnell)

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Der Marsianer - Rettet Mark Watney | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Der Forschungsauftrag des Astronauten-Teams der Ares-3-Mission auf dem Mars neigt sich bereits dem Ende, als ein immenser Sandsturm die Expedition beinahe in eine Katastrophe münden lässt, was den Piloten Martinez zum Notstart zwingt, doch lässt die Crew einen der ihren – den Botaniker Mark Watney – zurück, nachdem er in dem herrschenden Chaos von einer Antenne getroffen und in den Sandsturm geschleudert worden ist und man überwiegend der Annahme ist, er könne nicht überlebt haben. Während sich der Rest des Teams auf den Weg zurück zur Erde begibt, erwacht Watney allerdings allein und verletzt auf dem roten Planeten und schleppt sich mit letzter Kraft zum Basis-Camp. Völlig abgeschnitten von sämtlichen Kommunikationswegen geht man folglich auch auf der Erde bei der NASA zunächst davon aus, dass Mark Watney auf dem Mars das Zeitliche gesegnet hat, doch das umtriebige Improvisationstalent hinterlässt bald Spuren auf der Planetenoberfläche und man beginnt fieberhaft einen Rettungsplan zusammenzuschustern, denn auch wenn Watney sich anschickt, den Mars urbar zu machen, reichen seine Vorräte doch kaum, um eine reelle Überlebenschance zu unterstellen…

Rezension:

Nachdem ich mich kürzlich erst mit The Counselor einem eher wenig geschätzten Film des Star-Regisseurs Ridley Scott gewidmet hatte, stand nun auch der etwas neuere Der Marsianer – Rettet Mark Watney auf dem Plan und hier schwingt sich Scott zumindest bedingt zu alter Größe auf, denn inszenatorisch ist an dem Werk wahrlich nichts auszusetzen, wobei er hier natürlich Rückgriff auf die gleichnamige Buchvorlage nehmen konnte, um sein Werk auch dramaturgisch überzeugend zu gestalten, insbesondere, da er sich im Hinblick auf die Vorlage einige sinnvolle Freiheiten herausgenommen hat, um das Werk für die Leinwand zu adaptieren. So ist der Film schlussendlich auch weit weniger die One-Man-Show, die ich mir erwartet hatte – wenngleich Matt Damons Figur des Mark Watney ohne Zweifel im Fokus steht und die meiste Screentime beansprucht – sondern vielmehr ein überzeugendes Ensemble-Stück, das neben der Story auf dem Mars alsbald zunächst die Geschehnisse auf der Erde mit hinzuzieht und im letzten Drittel die Besatzung der Mars-Expedition ebenfalls erneut auf den Plan ruft, nachdem diese zuvor lediglich in den ersten rund zehn Minuten eine Rolle gespielt haben.

Szenenbild aus Der Marsianer - Rettet Mark Watney | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Mehr Zeit benötigt Scott nämlich nicht, um das Setting zu etablieren und die Ausgangslage zu schaffen, denn nach kurzer Vorstellungsrunde und einigen schmissigen Dialogfetzen geht prompt alles schief, was schief gehen kann und die Crew flüchtet sich ins Raumschiff, lässt dabei den für tot gehaltenen Mark zurück und verschwindet von dem unwirtlichen Planeten. Von hier an begleiten wir das Alter Ego von Matt Damon (Elysium) wie er sich zunächst zum Quartier zurückschleppt und notdürftig verarztet, um sich in weiterer Folge Gedanken um sein Überleben zu machen. Hier greift Scott dann auch recht bald auf den gelungenen Kniff zurück, Watney Videotagebuch führen zu lassen, denn dergestalt umschifft man natürlich die Notwendigkeit, entweder alles über die gezeigten Bilder transportieren zu müssen oder andererseits, Watney im stetigen Monolog mit sich selbst zu zeigen, denn das hätte der Erzählung zweifelsohne einen Großteil ihrer Leichtigkeit genommen. Richtig, Leichtigkeit, denn Der Marsianer ist überraschend komisch und witzig geraten in Anbetracht der eigentlich aussichtslosen Lage des Astronauten, was wiederum in seiner Figur selbst begründet liegt, denn wo andere verzweifeln würden, bewahrt sich Watney einen großartigen Galgenhumor und findet stets Zeit für intelligente und charmante Beobachtungen, wenn er beispielsweise feststellt, dass er sich im Grunde in internationalen Gewässern befindet und durch die Aneignung von US-Einrichtungen und Gerätschaften zum "Space Pirate" würde.

Damit aber nicht genug, gibt es allerhand popkulturelle Anspielungen, die überwiegend gut funktionieren und den Unterhaltungswert noch einmal spürbar nach oben schrauben – Stichwort "Projekt Elrond" – während übrigens für meine Begriffe auch der Soundtrack teilweise zum Niederknien ist, denn Watney hat nichts anderes auf dem Mars als die Disco-Hits von Commander Lewis und da spielt dann schon mal "Hot Stuff" oder "Rock the Boat", um die Weltraum-Chose musikalisch zu untermalen, was zwar manchmal zugegebenermaßen durchaus an Guardians of the Galaxy denken lässt, hier aber nicht minder großartig funktioniert, wobei das natürlich alles immer Geschmackssache ist und bleiben wird. Auf der Erde wiederum geht es natürlich die meiste Zeit bedeutend ernster zu und hier folgt das Geschehen im Grunde auch den Genre-üblichen Regeln insbesondere auch die Figuren betreffend, die man beinahe schon pflichtschuldig erwarten mag. Da wären die Vertreter der Raumfahrtbehörde, die der Rettungsmission wahlweise aufgeschlossen oder konsequent ablehnend gegenüberstehen sowie der moralisch integre Leiter der Mars-Mission und nicht zuletzt ein NASA-Astronom mit aberwitzigem Rettungsplan. Im Grunde hält dieser Part dann auch die wenigsten Überraschungen bereit, funktioniert aber dennoch überraschend gut, was aber wohl zuvorderst daran liegt, dass sich Scott hier in punkto Darstellern nicht hat lumpen lassen und ein durch und durch überzeugendes und namhaftes Ensemble zusammenstellt, sei es Jeff Daniels (Paper Man) als NASA-Direktor, Kristen Wiig als Pressesprecherin, Sean Bean (Pixels) als Missionsdirektor oder Mackenzie Davis als Satellitenspezialistin oder Donald Glover (Community) als das besagte Wunderkind, derweil es Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) als Mars-Missions-Leiter Vincent Kapoor obliegt, die einzelnen Figuren und ihre Motivationen miteinander zu verknüpfen, was ihn zum Herzstück des Erden-Plots werden lässt.

Szenenbild aus Der Marsianer - Rettet Mark Watney | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Ähnlich verhält es sich bei den Crew-Mitgliedern der "Ares III" denn hier geben sich unter der Führung der von Jessica Chastain (A Most Violent Year) verkörperten Commander Lewis ebenfalls eine illustre Schar an Darstellern die Klinke in die Hand und so ist es neben Chastain Michael Peña, Kate Mara und Sebastian Stan zu verdanken, dass auch die Crew mit wenigen Strichen Profil und Charakter erhält, was sich natürlich in engen Grenzen hält, aber ausreicht, um emotional zu involvieren, speziell als die anderen erfahren, dass Watney eben mitnichten auf dem Mars zu Tode gekommen ist und noch Hoffnung auf Rettung besteht. Wie gesagt, dramaturgisch bewegt sich Der Marsianer durchaus auf ausgetretenen Pfaden und es gibt kaum Momente, in denen Zweifel am Fortgang der Geschichte aufkommen mögen, doch in Anbetracht des bis in die kleinste Rolle formidablen Casts, mehr noch aber der extrem überzeugenden Darstellung von Matt Damon – der sicherlich vergangenes Jahr ein heißer Oscar-Kandidat gewesen wäre, wenn da nicht DiCaprio mit The Revenant dahergekommen wäre – und natürlich ganz besonders der fulminanten Optik und dem ungemein stimmig umgesetzten Mars-Setting treten solche dramaturgischen Auslassungen spürbar in den Hintergrund. So habe ich für meinen Teil in den beinahe zweieinhalb Stunden Laufzeit keine Hänger ausmachen können und fühlte mich in jedem Moment nicht nur unterhalten, sondern regelrecht gepackt, während natürlich der wissenschaftlich-technische Ansatz des Buches für die Film-Version spürbar zurückgefahren worden ist und sich Damons Watney nicht allzu lange damit aufhält, seine einfallsreichen Pläne zu schildern.

Fazit & Wertung:

Mit Der Marsianer – Rettet Mark Watney liefert Kult-Regisseur Ridley Scott eine durch und durch überzeugende Space-Opera im Survival-Thriller-Gewand mit humoristischen Untertönen ab, was für sich genommen schon eine ungewöhnliche Mischung sein mag und durch den immens differenzierten All-Star-Cast mit Matt Damon an dessen Spitze noch veredelt wird. Dramaturgisch mag die Geschichte vielleicht eher weniger überzeugend sein und orientiert sich großteils an genreüblichen Gesetzmäßigkeiten, doch stört das den Filmgenuss nicht im Geringsten.

8,5 von 10 als Video-Tagebuch festgehaltenen Monologen

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

  • Als Video-Tagebuch festgehaltene Monologe - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Der Marsianer – Rettet Mark Watney liefert Kult-Regisseur Ridley Scott eine durch und durch überzeugende Space-Opera im Survival-Thriller-Gewand mit humoristischen Untertönen ab, was für sich genommen schon eine ungewöhnliche Mischung sein mag und durch den immens differenzierten All-Star-Cast mit Matt Damon an dessen Spitze noch veredelt wird. Dramaturgisch mag die Geschichte vielleicht eher weniger überzeugend sein und orientiert sich großteils an genreüblichen Gesetzmäßigkeiten, doch stört das den Filmgenuss nicht im Geringsten.

8.5/10
Leser-Wertung 6.5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmaffe: 4,5/5 Punkte
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte
moviescape.blog: 8/10 Punkte
Vieraugen Kino: 8/10 Punkte

Der Marsianer – Rettet Mark Watney ist am 18.02.16 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Das sehen wir einmal wieder, welch Überraschung, sehr ähnlich. Ein sehr runder Film, bei dem ich es nur schade finde, dass es der Extended Cut nicht zu uns geschafft hat…

    • Hat mich auch nicht wirklich überrascht, aber „wir“ waren uns ja alle ziemlich einig bei dem Streifen. Und klar, mit dem Extended Cut ist blöd, hat mich auch schon bei „The Counselor“ geärgert, aber es ist wie es ist…

  • Na, so einig wie hier war sich die „Blogosphäre“ ja selten bei einem Film.

    • Das stimmt wohl, da war ich auch ziemlich perplex, auch wenn ich ja immer nur einen klitzekleinen Teil an Bloggern verlinke. Sehr homogenes Bild diesmal und wir zwei sind sogar noch im goldenen Mittelfeld zwischen den 8- und (umgerechnet) 9-Punkte Bewertungen 😉

  • Stepnwolf

    Mein erster Gedanke nach dem Film: ‚Ich habe Kartoffeln gemacht!‘ 😉
    Der Film hat mich irgendwie an „Cast away“ erinnert, trotz des gänzlich anderen Settings.

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