Review: Stichtag (Film)

Nachdem es gestern schlichtweg zu spät geworden wäre, als dass es noch Sinn gemacht hätte, einen Blog-Beitrag zu veröffentlichen, beehre ich euch stattdessen – so dachte ich mir – eben heute Vormittag mit einer neuen Film-Kritik, bevor ich mich gleich Hals über Kopf ins Wochenende stürzen werde. Euch einen schönen Samstag und bis morgen, denn der Media Monday steht ja beinahe schon wieder in den Startlöchern.

Stichtag

Due Date, USA 2010, 95 Min.

Stichtag | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Todd Phillips
Autoren:
Alan R. Cohen
Alan Freedland
Adam Sztykiel
Todd Phillips

Main-Cast:
Robert Downey Jr. (Peter Highman)
Zach Galifianakis (Ethan Tremblay)
in weiteren Rollen:
Michelle Monaghan (Sarah Highman)
Juliette Lewis (Heidi)
Jamie Foxx (Darryl)
Danny McBride (Lonnie)

Genre:
Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Stichtag | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Bei Peter und Sarah Highman verläuft alles in geordneten Bahnen und so ist auch der Termin für die Geburt des gemeinsamen Kindes von langer Hand geplant und der umtriebige Architekt macht sich zeitig auf den Weg, um von Atlanta aus zurück nach Los Angeles zu gelangen, wo seine hochschwangere Frau ihn bereits sehnsüchtig erwartet. Am Flughafen allerdings macht Peter die Bekanntschaft mit dem exzentrischen wie spleenigen Ethan Tremblay, der prompt ihrer beider Koffer vertauscht, was zunächst zu einem peinlichen Moment bei der Gepäckkontrolle führt, da Ethans nach seiner Aussage medizinisch verordnetes Marihuana auf nicht gerade viel Gegenliebe beim Flughafenpersonal stößt, doch weitaus härter trifft Peter, dass er gemeinsam mit Ethan aufgrund eines Disputs aus dem Flugzeug verwiesen wird und auf der No-Fly-Liste landet.

Viel schwerer wiegt allerdings, dass Peter weder Geld noch Führerschein bei sich hat und sieht daher notgedrungen gezwungen sieht, auf Ethans Vorschlag einzugehen, ihn in seinem Mietwagen nach Los Angeles mitzunehmen, will er auch nur die geringste Chance haben, noch rechtzeitig zu Sarah zu kommen. Es versteht sich von selbst, dass der bodenständig-abgeklärte Architekt Peter und der freigeistige Ethan mehr als genügend Reibungsfläche für den Tage währenden Trip quer durchs Land bieten, doch damit nicht genug, geraten sie alsbald von einer absurden Situation in die nächste, doch Peter ist nicht bereit aufzugeben und auch wenn er sich des Öfteren versucht sieht, Ethan am Wegesrand zurückzulassen, entwickelt er langsam auch eine gewisse – widerwillige – Sympathie für den junggebliebenen Träumer.

Rezension:

Manchmal darf es ja durchaus ein wenig seichter sein und eine Komödie von Todd Phillips, der ja neben einigen Ausfällen doch immerhin auch für den ersten Hangover-Teil verantwortlich zeichnete (auch für den zweiten und dritten Teil, doch spricht das nicht unbedingt für ihn), schien mir nicht die allerschlechteste Wahl, zumal ich Robert Downey Jr. eigentlich immer gerne sehe und man bei Zach Galifianakis zumindest genau weiß, worauf man sich einlässt, da er doch zumindest in den einschlägigen Komödien in der quasi immer gleichen Rolle besetzt wird, die er nur noch geringfügig variieren muss (und das, wo er doch durchaus zu mehr imstande ist, wie er beispielsweise in It’s Kind of a funny Story schon beweisen durfte). Damit war dann auch die Marschrichtung von Stichtag klar, denn dass es sich um zwei völlig konträr angelegte Figuren handelt, die am Ende und nach einem halsbrecherischen Road-Trip beste Freunde werden, bis dahin in bester Buddy-Movie-Tradition Abenteuer erleben, verrät schon ein Blick aufs Cover und folglich ist auch von vornherein klar, dass Phillips‘ Werk aus 2010 sicherlich keine Innovationspreise gewinnen wird, doch auch eine Fingerübung in Sachen leichtfüßiger Film-Komödie kann ja durchaus gute Unterhaltung versprechen.

Szenenbild aus Stichtag | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Traurigerweise stellte sich nach den ersten Minuten schnell Ernüchterung ein, denn das erste Aufeinandertreffen von Downey Jr.‘s Figur Peter und Galifianakis‘ Ethan war nun so gar nicht zum Lachen für meinen Geschmack und schneller noch stellte sich ein Gefühl des Fremdschämens ein, wenn Ethans nackte Plauze Peter ins Gesicht gedrückt wird. Die ersten gut zwanzig Minuten gestalteten sich für mich dann auch ziemlich zäh und der Film, dessen Plot natürlich auch erst einmal etabliert werden muss, das will ich ihm nachsehen, kam nicht so recht in Fahrt und der erste Lacher kam dann (für mich) auch erst nach über zwanzig Minuten, als Peter einem nervigen Kind in den Bauch boxt und dass das genauso viel über mich wie über den Film aussagt, ist mir durchaus bewusst. Diese Szene markiert dann auch gleichzeitig den ersten Gastauftritt von einigen wenigen prominenten Gestalten, denn Juliette Lewis darf hier als Drogendealerin Heidi den Film beehren, doch hätte man sich diese Passage meines Erachtens genauso gut auch sparen können, zumal Stichtag, kaum dass der eigentliche Road-Trip begonnen hat, durch diese Episode direkt wieder ausgebremst wird.

Von dieser Etappe der Reise ausgehend – mittlerweile ist eine gute halbe Stunde verstrichen – offenbart Stichtag aber nach und nach ungeahnte Qualitäten und punktet mit einer Vielzahl zunehmend skurriler werdender Einfälle, die insbesondere Peter immer derangierter wirken lassen, der nun aufgrund dessen auch des Öfteren die Chance hat, sein cholerisches Temperament gegenüber dem bewusst überzeichnet entspannt wirkenden Ethan als Kontrapunkt zu setzen, was dann endlich auch beweist, dass durchaus komödiantisches Potential aus dem Zusammentreffen dieser ungleichen Charaktere generiert werden kann. Zum Brüllen komisch wird Todd Phillips‘ Film dadurch zwar auch zu keinem Zeitpunkt, doch ist das Geschehen in seinen anarchischen, unangepassten Momenten merklich unterhaltsamer als zu Beginn, wo alles noch nach einer recht generischen Buddy-Komödie aussieht, die der Film zwar letztlich zu jedem Zeitpunkt bleibt, manchmal aber eben auch darüber hinauszuwachsen imstande ist.

Szenenbild aus Stichtag | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Und wo man mit reinem Humor nicht punkten kann, wird die Geschichte – ebenso altbekannt – mit einem emotionalen Unterbau versehen, hier dargestellt durch Ethans jüngst verstorbenen Vater, den er in einer Kaffeedose mit sich herumschleppt, um ihm an einem besonderen Ort die letzte Ehre zu erweisen. Und tatsächlich gibt es hier auch einige anrührende Momente, doch werden diese leider im Keim erstickt und so wirkt auch dieser Part des Plots wie ein reines Mittel zum Zweck. Überhaupt merkt man dem Film oft deutlich an, dass sage und schreibe vier Autoren an dem Drehbuch gewerkelt haben, denn wenn auch einzelne Stationen der Reise zu überzeugen wissen, bleibt das Geschehen in seiner Gesamtheit doch arg fragmentarisch und grundsätzlich großartige Gastauftritte wie etwa von Jamie Foxx oder Danny McBride sind dann auch leider viel zu schnell wieder vorbei, während einzig Michelle Monaghans Rolle als Peters Frau Sarah noch undankbarer ist, denn die meiste Zeit glänzt sie durch Abwesenheit und bleibt ansonsten erschreckend blass, was auch die letzten Minuten nicht rausreißen können, wenn sie und Peter – ich werte das jetzt nicht als Spoiler, denn das ist ja wirklich abzusehen – schlussendlich wieder vereint sind, denn zu diesem Zeitpunkt hat Stichtag sein Pulver längst verschossen und dümpelt nur noch in Richtung Abspann.

Fazit & Wertung:

Todd Phillips’ Road-Movie-Komödie Stichtag verspricht mit der Kombination aus Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis in zwei gänzlich gegensätzlich angelegten Rollen durchaus einiges an Potential, doch braucht der wahnwitzige Trip eine ganze Weile um schließlich in Fahrt zu kommen, lässt im Mittelteil immer mal wieder eine gewisse Genialität durchscheinen, bewahrt sich seinen anarchischen Geist aber nicht annähernd bis zum Schluss und geht ärgerlich sang- und klanglos zu Ende. Da wäre merklich mehr drin gewesen.

6 von 10 wahnwitzigen Begebenheiten

Stichtag

  • Wahnwitzige Begebenheiten - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Todd Phillips' Road-Movie-Komödie Stichtag verspricht mit der Kombination aus Robert Downey Jr. und Zach Galifianakis in zwei gänzlich gegensätzlich angelegten Rollen durchaus einiges an Potential, doch braucht der wahnwitzige Trip eine ganze Weile um schließlich in Fahrt zu kommen, lässt im Mittelteil immer mal wieder eine gewisse Genialität durchscheinen, bewahrt sich seinen anarchischen Geist aber nicht annähernd bis zum Schluss und geht ärgerlich sang- und klanglos zu Ende. Da wäre merklich mehr drin gewesen.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 6/10 Punkte

Stichtag ist am 04.03.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. Franziska T. 13. Dezember 2015

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