Review: Elizabeth Harvest (Film)

Einmal mehr kommt hier nun die erste von drei Film-Rezensionen für diese Woche und auch wenn mich nachfolgendes Werk durchaus fasziniert hat, wäre da doch deutlich mehr drin gewesen, als der Film letztlich liefert.

Elizabeth Harvest

Elizabeth Harvest, USA 2018, 105 Min.

Elizabeth Harvest | © Alive
© Alive

Regisseur:
Sebastian Gutierrez
Autor:
Sebastian Gutierrez

Main-Cast:
Abbey Lee (Elizabeth / Wife)
Ciarán Hinds (Henry / Husband)
Carla Gugino (Claire)
Matthew Beard (Oliver)
in weiteren Rollen:
Dylan Baker (Logan)

Genre:
Horror | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Elizabeth Harvest | © Alive
© Alive

Frisch vermählt sind die blutjunge und schüchterne Elizabeth und der distinguierte ältere Wissenschaftler Henry auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Domizil fernab der Zivilisation, lediglich in Gesellschaft der allgegenwärtigen Haushälterin Claire und des blinden Gärtners Oliver. Nicht ohne Stolz präsentiert Henry Elizabeth ihre neue, vor Prunk und Luxus strotzende Heimat. Alles, was ihm gehöre, gehöre nun auch ihr und sie könne sich frei im Haus entfalten, abgesehen von einer einzigen, verschlossenen Tür im Keller. Und obwohl sich Elizabeth genau dieses Leben gewünscht hat, soweit sie zurückdenken kann, kommt es ihr zunehmend vor, als würde etwas nicht stimmen und als Henry auf Geschäftsreise geht, obsiegt natürlich schließlich die Neugierde, was die ominöse blaue Tür im Untergeschoss des Hauses angeht…

Rezension:

Was Elizabeth Harvest angeht, muss ich gestehen, extreme zwiespältiger Meinung zu sein und nicht recht greifen zu können scheine, wie mir der Film denn nun eigentlich gefallen hat oder was genau er mir den nun erzählen wollte. Einerseits habe ich ein sicherlich ausgeprägtes Faible für dergestalt mysteriös und abgründig angehauchte Geschichten und auch der leichte Science-Fiction-Einschlag wusste zu gefallen, doch habe ich entweder schon zu viele Geschichten in diese Richtung gelesen oder gesehen oder der von Sebastian Gutierrez ersonnene und realisiert Film hält sich schlichtweg für deutlich intelligenter, als er letztendlich ist. So würde man nach wenigen Minuten meinen, zu wissen, wohin der Hase läuft und darf sich lediglich dahingehend überraschen lassen, wie schnell es zu dieser Handlung (gemeint ist natürlich das Öffnen der verbotenen Tür) und den damit verbundenen Konsequenzen kommt. Und natürlich hält das Skript auch im Nachgang noch einiges an Überraschungen parat, doch eben kaum welche, die dann wirklich unvorbereitet kommen würden, denn ist der Ansatz des Films – es handelt sich übrigens im weitesten Sinne um eine weitergedachte Neuinterpretation des Märchens Blaubart – erst einmal bekannt, wissen die nachfolgenden Twists kaum noch zu begeistern und formulieren einmal zu oft auch lediglich aus, was man längst geahnt, ja beinahe gewusst hat.

Szenenbild aus Elizabeth Harvest | © Alive
© Alive

So ist Elizabeth Harvest in all seinem Bemühen um Undurchsichtigkeit und vorherrschendes Mystery-Flair schon erschreckend vorhersehbar, auch wenn eine Reihe Rückblenden das Interesse an dem Gezeigten in der zweiten Hälfte zumindest noch einmal neu entflammen lassen. Glück für Gutierrez und dessen Film, dass ein so geartetes Produkt nicht allein von seiner Dramaturgie, seiner Handlung lebt, denn auf atmosphärischer Seite immerhin macht die vom ersten Moment an ohnehin betont märchenhafte Geschichte einiges an Boden gut und punktet mit ansprechender Kulisse und wertigem Produktions-Design. Die stilisierte Farbgebung, gerade bei den einschlägigen Blicken in die Vergangenheit, mag natürlich nicht jedem gefallen, verschafft dem Werk aber doch zumindest einen unverwechselbaren Stil, der seine Fortsetzung in dem prunkvollen Anwesen von Henry sowie oft ungewöhnlichen und clever inszenierten Kamerablickwinkeln findet.

Dadurch punktet der Film auch fernab seiner attraktiven Hauptdarstellerin Abbey Lee (The Neon Demon) insbesondere in visueller Hinsicht und weiß mit schmucken Bildern und bedeutungsschwangeren Momentaufnahmen weit mehr zu überzeugen als mit dem eigentlichen Handlungskonstrukt, das man sich wie erwähnt schnell zusammenreimen kann. In diesem Reigen wirkt Abbey Lee als namensgebende Elizabeth zwar zunächst ein wenig verloren und überfordert, doch ihr deswegen mangelndes Talent zu attestieren, würde ihr Unrecht tun, weil genau dieses Verhalten und diese Schüchternheit exakt dem entspricht, was man sich von ihrer Figur in exakt dieser Position erwarten dürfte, zumal sie später noch reichlich Gelegenheit bekommt, auch andere Facetten ihres Wesens zu offenbaren. Dieses filigrane, zerbrechliche, ja oft regelrecht puppenhaft anmutende Äußere dürfte allerdings unter anderem ausschlaggebend dafür gewesen sein, ihr die Rolle anzubieten, die durchaus Lust macht, sie auch künftig in größeren Rollen sehen zu können, als es zuletzt beispielsweise bei Der Dunkle Turm der Fall gewesen ist.

Szenenbild aus Elizabeth Harvest | © Alive
© Alive

Ciarán Hinds (Red Sparrow), der hier den undurchsichtigen Ehemann Henry geben darf, ist da freilich schon eine ganz andere Hausnummer und im direkten Vergleich ein schauspielerisches Schwergewicht, was ebenso für Carla Gugino (Wayward Pines) gilt, wobei Gutierrez um diesen Umstand zu wissen scheint und nicht nur diese beiden im Dialog aufeinanderprallen lässt, sondern insbesondere Hinds einige durch Mark und Bein gehende Szenen zuschustert, die seine Figur weit über das hinausheben, was das Drehbuch ihm diktiert haben mag. Matthew Beard (Kiss Me First) hingegen bleibt als blinder Gärtner doch eher blass und weiß sich lediglich in der zweiten Hälfte ein wenig zu profilieren, erreicht aber weder die Ausstrahlung von Lee noch die Präsenz von Hinds oder gugino. So kann ich auf der einen Seite durchaus eine Lanze brechen für Elizabeth Harvest, wenn einem der Sinn nach einem bewusst überstilisierten Mystery-Thriller mit Science-Fiction-einschlag steht, während ich auf der anderen Seite die vielen verpassten Chancen betrauere, die durch ein doch sehr vorhersehbares Skript verloren gegangen sind. Look und Optik, starke Einzelszenen sowie engagierte und eindringlich aufspielende DarstellerInnen entschädigen dafür ein Stück weit, machen aus diesem eigenwilligen Werk aber leider keine Empfehlung, sondern "nur" eine solide, wortwörtlich sehenswerte Produktion, die thematisch an der Oberfläche dessen bleibt, was möglich gewesen wäre.

Fazit & Wertung:

Sebastian Gutierrez verfolgt mit Elizabeth Harvest zwar einen interessanten Ansatz, doch sind die alsbald im Minutentakt auf den Zuschauer einprasselnden Offenbarungen und Twists leider überwiegend so vorhersehbar und altbekannt, dass dadurch viel von der Faszination der Thematik verloren geht. Immerhin visuell und in Sachen Produktions-Design braucht sich der Film nicht zu verstecken und auch das verpflichtete Ensemble allen voran Ciarán Hinds in einer eindringlich-abgründigen Rolle – weiß die meiste Zeit zu überzeugen.

6 von 10 entlarvenden Tagebucheinträgen

Elizabeth Harvest

  • Entlarvende Tagebucheinträge - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Sebastian Gutierrez verfolgt mit Elizabeth Harvest zwar einen interessanten Ansatz, doch sind die alsbald im Minutentakt auf den Zuschauer einprasselnden Offenbarungen und Twists leider überwiegend so vorhersehbar und altbekannt, dass dadurch viel von der Faszination der Thematik verloren geht. Immerhin visuell und in Sachen Produktions-Design braucht sich der Film nicht zu verstecken und auch das verpflichtete Ensemble allen voran Ciarán Hinds in einer eindringlich-abgründigen Rolle – weiß die meiste Zeit zu überzeugen.

6.0/10
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Elizabeth Harvest ist am 25.01.19 auf DVD und Blu-ray bei Alive erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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