Review: Das Geheimnis der zwei Schwestern (Film)

Wieder freue ich mich beinahe, heute von einem ziemlichen Rohrkrepierer berichten zu können, der selbst mich grundsätzlich immer sehr wohlwollend gestimmten Zuschauer nicht abzuholen gewusst hat und das, obwohl Natalie Portman mit an Bord gewesen ist.

Das Geheimnis der zwei Schwestern

Planetarium, FR/BE 2016, 105 Min.

Das Geheimnis der zwei Schwestern | © Koch Media
© Koch Media

Regisseurin:
Rebecca Zlotowski
Autoren:
Rebecca Zlotowski
Robin Campillo

Main-Cast:
Natalie Portman (Laura Barlow)
Lily-Rose Depp (Kate Barlow)
Emmanuel Salinger (André Korben)
in weiteren Rollen:
Amira Casar (Eva Saïd)
Pierre Salvadori (André Servier)
Louis Garrel (Fernand Prouvé)
David Bennent (Juncker)
Damien Chapelle (Louis)

Genre:
Drama | Fantasy | Mystery | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Geheimnis der zwei Schwestern | © Koch Media
© Koch Media

Im Paris Ende der 1930er-Jahre verdingen sich die Amerikanerinnen und Geschwister Laura und Kate Barlow als Hellseherinnen und wecken dergestalt das Interesse des Filmproduzenten André Korben. Der ist zunächst skeptisch, aber auch ungemein neugierig, was die Kräfte der Barlow-Schwestern angeht und bittet die beiden um eine Séance. Dieses Erlebnis erweist sich als dermaßen einschneidend für Korben, dass er den beiden prompt einen Vertrag anbietet und plant, die übersinnlichen Ereignisse rund um die Geisterkontaktaufnahmen auf Zelluloid zu bannen, um so die Welt zu erschüttern und das Kino zu revolutionieren. Allerdings ist es gar nicht so einfach, vor dem Hintergrund einer umfangreichen Filmproduktion die intime Atmosphäre einer Séance abzubilden. Darüber hinaus waren die Barlow-Schwestern vielleicht auch nicht hundertprozentig ehrlich, was ihre Fähigkeiten betrifft, derweil auch Korben noch andere Ziele verfolgt…

Rezension:

Nach Personal Shopper ist Das Geheimnis der zwei Schwestern nun die nächste Geister-Story, mit der ich nicht so recht warm zu werden vermochte (und damit anscheinend ja auch nicht alleine dastehe), derweil damit die Parallelen der beiden Filme untereinander auch schon aufhören, wenn man von der weiblichen Besetzung der Hauptrolle(n) und dem Handlungsort Frankreich einmal absieht. Hier nun geht es also um die Barlow-Schwestern, die vorgeben, während spiritistischer Sitzungen Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen zu können und – eben – nach Frankreich emigriert sind. Doch es geht auch um den Filmemacher André Korben, der auf die beiden aufmerksam wird und den aberwitzigen Plan fasst, Übernatürliches auf Film zu bannen, schließlich ist er vollends von den Kräften der beiden Schwestern überzeugt. Es geht aber auch um die Vorzeichen des sich am Horizont bedrohlich abzeichnenden Zweiten Weltkrieges und einiges mehr. So wirkt der Film zunächst beinahe assoziativ aneinandergereiht, dann verwirrend und zuletzt einfach nur noch halbgar und prätentiös, denn eine echte, geschweige denn einnehmende oder stringent erzählte Story sucht man weitestgehend vergeblich.

Szenenbild aus Das Geheimnis der zwei Schwestern | © Koch Media
© Koch Media

Ebenfalls eine Mogelpackung dürfte der deutsche Titel Das Geheimnis der zwei Schwestern darstellen, denn neben Natalie Portman (Auslöschung) spielt Lily-Rose Depp eine doch spürbar untergeordnete Rolle und bekommt zudem kaum Gelegenheit, so etwas wie Talent oder natürliche Begabung erkennen zu lassen. Dafür kann der im Original als – nicht minder kryptisch – Planetarium vermarktete Streifen zwar nichts, doch hilft es auch nicht gerade. Nun bin ich ja bekanntermaßen großer Fan von Natalie Portman, doch auch sie weiß mich eben nicht immer zu überzeugen – siehe hierzu Eine Geschichte von Liebe und Finsternis – und vermag es vor allem nicht, einen Film zu retten, dessen Drehbuch so rudimentär gewesen sein muss, wie es hier der Fall ist. Kaum eines der Themen, keiner der Ansätze scheint wirklich weiterverfolgt oder vertieft zu werden, vieles wird angerissen und unvermittelt fallen gelassen. Stattdessen mäandert man scheinbar ziel- und planlos durch Tage und Nächte, bekommt mal hier eine Party, mal dort eine Filmaufnahme zu sehen.

Die Bilder sind zweifelsohne hübsch anzuschauen, die Kostüme und Kulissen können sich sehen lassen und Regisseurin Rebecca Zlotowski hat sichtlich Spaß daran, die Goldenen 30er in Paris zu inszenieren, das hier nicht zum ersten Mal romantisch verklärt dargestellt wird. Doch je weiter der Film voranschreitet, übertreibt es Zlotowski zunehmend mit dem Schmalz und Zuckerguss, der alles umschließt. So wirken einige Einzelszenen und Begegnungen durchaus vielversprechend und lassen erahnen, dass man aus Das Geheimnis der zwei Schwestern einen wirklich einnehmenden und interessanten Film hätte machen können, doch stattdessen stützt der sich lieber auf seine sphärisch-entrückte Erzählweise, gefällt sich viel zu sehr in geleckten Bildern und opulent inszenierten Feiern, lässt in geradezu schwülstiger Weise vergangene Zeiten Revue passieren und versäumt es dabei die meiste Zeit gar, die bereits lauernde Bedrohung zu thematisieren, um unvermittelt – und um dem Ganzen zumindest eine Art Abschluss zu spendieren – auf eine deutlich dramatischere Schiene zu rutschen.

Szenenbild aus Das Geheimnis der zwei Schwestern | © Koch Media
© Koch Media

Bis es dazu kommt, ist effektiv aber eher wenig passiert und ich kann nicht behaupten, dass ich den von Portman und Depp verkörperten Schwestern merklich nähergekommen wäre oder nun wüsste, was genau ihre Beweggründe sind. Es geht im weitesten Sinne gar nicht so sehr um die Schwestern, es geht im Grunde nicht einmal um deren vermeintliche Gabe, Kontakt mit dem Geisterreich aufnehmen zu können. Zwischenzeitlich könnte man mutmaßen, es ginge um die Faszination des Kinos, dessen Möglichkeiten, eine Art Sturm-und-Drang-Zeit, die Macht der Fantasie und Magie, letztgenanntes im Grunde alles verkörpert durch die Figur des von Salinger verkörperten André Korben, doch nichts davon dringt durch, wird zementiert, bleibt haften, weil dieses Übermaß an Themen in der hier auffallend undifferenziert bleibenden Geschichte sich selbst behindert und aufhebt, bis am Ende nichts bleibt als schöne Bilder vor träumerischer Kulisse, die wenig vermitteln und auch wenig Substanzielles zu erzählen haben – oder zu viel, und daran scheitern.

Fazit & Wertung:

Rebecca Zlotowski inszeniert mit Das Geheimnis der zwei Schwestern einen zwar schwelgerischen, aber letztlich auch inhaltslosen Film, der von der Magie des Mediums Films über zwei übersinnlich begabte Schwestern bis hin zu den Vorzeichen des Zweiten Weltkrieges zwar einiges an Themen in sich vereint, in seiner mäandernden und verträumten Art aber kaum etwas davon adäquat zu behandeln weiß.

3,5 von 10 durchgeführten Séancen

Das Geheimnis der zwei Schwestern

  • Durchgeführte Séancen - 3.5/10
    3.5/10

Fazit & Wertung:

Rebecca Zlotowski inszeniert mit Das Geheimnis der zwei Schwestern einen zwar schwelgerischen, aber letztlich auch inhaltslosen Film, der von der Magie des Mediums Films über zwei übersinnlich begabte Schwestern bis hin zu den Vorzeichen des Zweiten Weltkrieges zwar einiges an Themen in sich vereint, in seiner mäandernden und verträumten Art aber kaum etwas davon adäquat zu behandeln weiß.

3.5/10
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vgw

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