Review: Warte, bis es dunkel wird (Film)

Es geht weiter mit dem Horrorctober und bereits dem zehnten Eintrag in der Reihe, womit wir uns langsam aber sicher der Zielgeraden nähern. Heute gibt es dann mal wieder einen grundsoliden Vertreter dieser Sparte, bevor ich am Donnerstag mit dem nächsten Totalausfall aufwarte.

Warte, bis es dunkel wird

The Town That Dreaded Sundown, USA 2014, 86 Min.

Warte, bis es dunkel wird | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Regisseur:
Alfonso Gomez-Rejon
Autor:
Roberto Aguirre-Sacasa

Main-Cast:

Addison Timlin (Jami)
Veronica Cartwright (Lillian)
Gary Cole (Chief Deputy Tillman)
Edward Herrmann (Reverend Cartwright)
Joshua Leonard (Deputy Foster)
Denis O’Hare (Charles B. Pierce, Jr.)
Anthony Anderson (Lone Wolf Morales)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Warte, bis es dunkel wird | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Während des alljährlichen Autokino-Screenings von "The Town That Dreaded Sundown", der auf der realen Mordserie in Texarkana von 1946 basiert, haben die schüchterne Jami und der beliebte Corey ihr erstes Date, gleichwohl Jamie mit Horrorfilmen nicht viel anfangen kann. Corey merkt dies und schlägt vor, stattdessen einen Abstecher in den nahegelegenen Wald zu machen und sich etwas intimeren Vergnügungen hinzugeben. Dort allerdings lauert bereits ein maskierter Killer und hat es auf das junge Pärchen abgesehen, womit sich erschreckende Parallelen zwischen Leinwandhandlung und (blutiger) Realität ergeben. Jamie entkommt mit knapper Not und prompt ist das Städtchen Texarkana in hellem Aufruhr, denn nicht nur die Bevölkerung und der zuständige Sheriff Underwood fragen sich prompt, ob die Ereignisse von damals und heute in einem Zusammenhang stehen. Der hinzugezogene Spezialermittler Morales, der sich gerne als "Lone Wolf" bezeichnet sehen will, nimmt seine Ermittlungen auf, derweil für Pastor Cartwright feststeht, dass die allgemein um sich greifende Gottlosigkeit in Texarkana für die Rückkehr des Killers verantwortlich ist…

Rezension:

Insbesondere Horrorfilm-Remakes sind ja – gerade bei den oft kultischen Verehrern des Originals – weitestgehend verpönt, doch könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass Warte, bis es dunkel wird diesbezüglich eine Ausnahme darstellen könnte, derweil ich persönlich als alter Kunstbanause mal wieder das Original gar nicht erst gesehen und direkt zur Neuauflage gegriffen habe, was in diesem Fall nicht unmaßgeblich an Addison Timlin (Odd Thomas) gelegen haben dürfte, die hier die Hauptrolle der Jamie übernimmt. Der Zusammenhang zwischen diesem Film und dem 1978 hierzulande wahlweise als Der Umleger oder Phantomkiller vermarkteten Streifens – der wiederum auf realen Morden aus dem Jahr 1946 basiert – würde natürlich deutlicher, wenn man sich hier wie dort auf den Originaltitel The Town That Dreaded Sundown konzentriert hätte, doch sind die Parallelen und Überlappungen freilich auch so offenkundig. Dabei handelt es sich dann hier nun tatsächlich auch mitnichten um ein klassisches Remake, sondern im Grunde eher um eine Meta-Fortsetzung, denn der "alte" Film existiert nun auch im fiktiven Film-Kosmos des "neuen" Films und ruft dort einen Nachahmer auf den Plan, der sich an den damaligen Morden orientiert.

Szenenbild aus Warte, bis es dunkel wird | © Tiberius Film
© Tiberius Film

So wage ich zu behaupten, dass Warte, bis es dunkel wird sogar geringfügig besser funktioniert, wenn man Der Umleger nie oder zuletzt vor langer Zeit gesehen hat, denn dadurch, dass der gewohnt ominöse, stets maskierte Killer die damaligen Morde nachstellt, würde man als versierter Kenner der Materie freilich oft ahnen, was als nächstes passiert (was zugegebenermaßen aber auch sonst häufig der Fall ist). Nichtsdestotrotz macht dieses Vexierspiel aus Realität und Fiktion die meiste Zeit ziemlichen Spaß und es ist eigentlich ein gelungener Clou, die jährlichen Aufführungen des Originals auch im Film aufzugreifen und als Aufhänger zu nützen, um erneut einen Serienkiller ins Rennen zu schicken. Zudem gestalten sich dadurch natürlich auch die Ermittlungen beispielsweise ungewöhnlich, wenn die Polizisten sich mit dem alten Filmmaterial auseinander zu setzen haben, um mögliche nächste Schritte des Killers zu erahnen, während es im Film selbst die Möglichkeit eröffnet, Ausschnitte aus dem 1978er-Streifen mit den Neuinterpretationen des 2014er-Werkes zu vergleichen und diese gegenüberzustellen.

Die Morde selbst sind dabei gleichermaßen routiniert wie effektiv inszeniert und geizen zuweilen nicht an entsprechenden Schauwerten, wobei sich der vorrangige Reiz des Gezeigten natürlich aus der Meta-Ebene speist, die genüsslich Fakten und Fiktion miteinander vermengt. Dergestalt kommt Warte, bis es dunkel wird mit einem pseudo-dokumentarischen Ansatz daher und gibt vor, die Trittbrettfahrer-Morde dieser Tage wären ebenso real wie die Geschehnisse von 1946, was aber im Grunde schon allein dadurch ad absurdum geführt wird, dass das Städtchen Texarkana, wie es hier inszeniert wird, in den letzten dreißig Jahren keinen Tag gealtert zu sein scheint und gleichermaßen altmodisch wie rückständig wirkt, was sich auch in der Mode niederschlägt. Und in all dem bewegt sich Addison Timlin als zunehmend wehrhafte Damsel-in-Distress, die dahinterzukommen versucht, wer hinter der neuerlichen Mordserie stecken mag, womit wir leider auch beim größten Schwachpunkt des von Alfonso Gomez-Rejon (Ich und Earl und das Mädchen) inszenierten Streifens angelangt wären, denn so mysteriös, beklemmend, routiniert und nicht zuletzt augenzwinkernd die Ereignisse zunächst inszeniert werden, baut der Film in seinem letzten Drittel leider merklich wie massiv ab.

Szenenbild aus Warte, bis es dunkel wird | © Tiberius Film
© Tiberius Film

Das nimmt schon mit ein bis zwei zwar überraschenden, aber auch wenig nachvollziehbaren Wendungen seinen Anfang und gipfelt schließlich in der unweigerlichen Offenbarung, wer sich denn nun hinter der Maske des Killers verbirgt und vor allem, was ihn zu den Morden getrieben haben mag. Und hier wird es so hanebüchen und konstruiert, dass ich geneigt bin, Auflösung und Gründe als grenzwertig dämlich zu bezeichnen, was natürlich im Nachgang den gesamten Film in einem deutlich mäßigeren Licht erscheinen lässt, gleichwohl er mir bis dahin beinahe überraschend gut gefallen hat. Eine zaghafte Empfehlung kann ich für Warte, bis es dunkel wird wohl immer noch aussprechen, wenn man einmal eine etwas andere Art Slasher-Film mit reichlich Meta-Spielereien sehen möchte oder als Fan des Originals mal dessen fiktive Pseudo-Fortsetzung begutachten will, doch der Gesamteindruck wird leider merklich durch die banale Auflösung getrübt, bei der Drehbuchautor Roberto Aguirre-Sacasa in punkto Überraschungseffekt doch merklich über das Ziel hinausgeschossen ist.

Fazit & Wertung:

Der von Alfonso Gomez-Rejon inszenierte Warte, bis es dunkel wird ist im Grunde genommen eine gelungene Mischung aus Remake und Sequel zum 1978er-Horrorstreifen und punktet mit pseudo-dokumentarischem Charme und bewusst herausgearbeiteter Meta-Ebene. Die hanebüchene Auflösung allerdings kostet nicht nur Abzüge in der B-Note, sondern trübt den Gesamteindruck auf den letzten Metern leider merklich.

6 von 10 akribisch nachgestellten Morden

Warte, bis es dunkel wird

  • Akribisch nachgestellte Morde - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Der von Alfonso Gomez-Rejon inszenierte Warte, bis es dunkel wird ist im Grunde genommen eine gelungene Mischung aus Remake und Sequel zum 1978er-Horrorstreifen und punktet mit pseudo-dokumentarischem Charme und bewusst herausgearbeiteter Meta-Ebene. Die hanebüchene Auflösung allerdings kostet nicht nur Abzüge in der B-Note, sondern trübt den Gesamteindruck auf den letzten Metern leider merklich.

6.0/10
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vgw

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