Review: The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. (Film)

Heute mal eine Kritik zu einem Genre-Film, der gar nicht mal schlecht war, aber eben auch noch weit besser hätte sein können.

The Cured
Infiziert. Geheilt. Verstoßen.

The Cured, IE/FR 2017, 95 Min.

The Cured - Infiziert. Geheilt. Verstoßen. | © Splendid
© Splendid

Regisseur:
David Freyne
Autor:
David Freyne

Main-Cast:
Ellen Page (Abbie)
Sam Keeley (Senan)
Tom Vaughan-Lawlor (Conor)

Genre:
Drama | Horror | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Cured - Infiziert. Geheilt. Verstoßen. | © Splendid
© Splendid

Während das "Maze Virus" in weiten Teilen Europas schnell eingedämmt werden konnte, hat es in Irland gewütet wie sonst kaum, zumal das Virus die Menschen nicht einfach dahinrafft, sondern sie ihn blutrünstige, instinktgesteuerte und gewalttätige Psychopathen verwandelt. Nach den verheerenden Folgen des Ausbruchs der Seuche ist es UN-Truppen zwar mittlerweile gelungen, die Infizierten zu inhaftieren und selbst ein Heilmittel wurde gefunden, doch bedeutet das noch längst nicht das Ende des Schreckens für das Land, denn es tun sich zwei neue Probleme auf. Einerseits wirkt das Mittel nur bei rund 75% der Betroffenen, deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht von allen gern gesehen wird, während man andererseits bei den gegen das Heilmittel resistenten darüber beratschlagt, sie in einer großangelegten Euthanasie-Maßnahme unschädlich zu machen, wogegen sich freilich aber ebenso viele verwehren. Abbie, die während der grassierenden Seuche zur Witwe geworden ist, nimmt derweil ihren Schwager Senan bei sich auf, der frisch geheilt in die Gesellschaft entlassen wird und muss im privaten Rahmen nun ebenfalls erkennen, wie feindlich und argwöhnisch die Bevölkerung den Geheilten gegenübersteht. Die haben aber ohnehin ein schweres Los zu tragen, schließlich können sie sich noch an jede Einzelheit jeder blutrünstigen Tat erinnern…

Rezension:

Lange bin ich um The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. herumgeschlichen und habe nun also auch endlich bei diesem Genre-Film einen blick riskiert, der eine erfrischend andere Herangehensweise an das mittlerweile meinem Gefühl nach wieder erlahmende Zombie-, oder allgemeiner Infizierten-Genre verspricht. Insbesondere das erste Drittel des sowohl von David Freyne geschriebenen als auch inszenierten Films verspricht genau diesen Anspruch auch zu erfüllen und allein die Verbringung der Geheilten zurück in die Stadt lässt zahlreiche Assoziationen sprießen, werden die vormals Infizierten schließlich wie Menschen zweiter Klasse behandelt, angegriffen und geschmäht, was sich alsbald auch auf deren "Sympathisanten" überträgt, so dass auch Abbie bald erste Hass-Parolen an ihrem Haus in Kauf nehmen muss, nachdem sie Senan bei sich aufgenommen hat. Allein dadurch aber, dass die eigentliche Seuche lediglich den Ausgangspunkt für die Geschichte bildet und bereits in der eröffnenden Texttafel abgehandelt wird, darf man sich aber natürlich auch keinesfalls "klassischen" Infizierten-Horror erwarten, sondern vielmehr ein ungewöhnliches Gesellschafts- und Familien-Drama, was in Kombination mit der ungewöhnlichen Kulisse vielleicht schon erklärt, weshalb der Film vergleichsweise wenig Anklang gefunden hat.

Szenenbild aus The Cured - Infiziert. Geheilt. Verstoßen. | © Splendid
© Splendid

Das bedeutet im Umkehrschluss aber leider auch nicht, dass The Cured frei von Mängeln wäre, denn in Anbetracht der so spannenden Prämisse hätte ich mir schlichtweg eine tiefere und eindringlichere Auseinandersetzung mit den angerissenen Themen gewünscht, während sich Freyne leider auch in weiterer Folge mehr auf plakative Parallelen zu Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Besser gefällt da schon die diffizile Beziehung zwischen Abbie und Schwager Senan, denn gleichwohl die junge Frau – einfühlsam und nuanciert von Ellen Page (The Umbrella Academy) verkörpert – sich aufgeschlossen und liberal gibt, muss sie sich zunehmend mit der Frage auseinandersetzen, was es für ihr Zusammenleben mit Senan bedeutet, dass dieser als Infizierter auch Menschen angegriffen und ermordet hat, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt freilich keine Kontrolle über sich hatte. Auch hier baut Freyne aber letztlich einen mehr als vorhersehbaren wist ein, der noch dazu kaum Bewandtnis für die laufende Geschichte zu haben scheint, während ein ganzer Subplot um eine Wissenschaftlerin schlussendlich gar entbehrlich scheint.

Dramaturgisch fehlt dem Drehbuchautor und Regisseur also leider – und merklich zunehmend – noch das Feingefühl, um wirklich etwas aus The Cured zu machen, auch wenn ich nicht behaupten könnte, die Geschichte nicht dennoch ungemein faszinierend empfunden zu haben, obwohl die Schwächen mehr als offensichtlich sind. Die sorgsame Ausgestaltung von Abbie und dem durch Sam Keely (Im Rausch der Sterne) verkörperten Senan allerdings lässt das Skript allerdings bei dem ebenfalls jüngst Geheilten Conor leider missen, denn der sich schnell zum Rädelsführer einer Art terroristischen Vereinigung aufschwingende Mann hat mehr als profane Gründe für sein Tun und fühlt sich schlichtweg von der Gesellschaft verraten und seines früheren Einflusses beraubt, was ihn zu einer doch sehr geradlinigen und wenig interessanten Figur macht, obwohl Tom Vaughan-Taylor (Ein verborgenes Leben) ihn mit reichlich Charisma zu verkörpern vermag.

Szenenbild aus The Cured - Infiziert. Geheilt. Verstoßen. | © Splendid
© Splendid

Im Grunde hat The Cured schlussendlich ein ähnliches Problem wie der im Jahr darauf entstandene Patient Zero, denn was sich anfänglich ungewöhnlich, frisch und unverbraucht präsentiert, findet letztlich dann aber doch kein anderes Ventil, als in übliche Gesetzmäßigkeiten des Genres zurückzudriften, wie es eben auch hier der Fall ist, wenn die sich ungerecht behandelt fühlenden Geheilten sich aufzulehnen und zu wehren beginnen. Wer sich von vornherein einen Horror-Actioner erwartet hat, dürfte damit zwar ein Stück weit befriedet werden, doch lässt dafür dieser reißerische Anteil des rund anderthalb Stunden umfassenden Films dann wieder viel zu lange auf sich warten, während ich eher die versäumten Möglichkeiten betrauere, die sich aus der Konstellation hätten derivieren lassen. Wer es mit einem klar abzugrenzenden Genre nicht so genau nimmt und einmal eine frische Idee präsentiert bekommen mag, der kann sich durchaus einmal Freynes Spielfilmdebüt widmen, doch dabei eben auch nicht zu viel erwarten, denn dafür fehlen hier anscheinend schlichtweg noch Gespür für Dramaturgie und Tiefgang, während es insbesondere die Besetzung ist, die hier zumindest einige Eisen noch aus dem Feuer zu holen vermag.

Fazit & Wertung:

David Freyne vermag sich dem einschlägigen Genre des Infizierten-Horror in The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. von einer spannenden und vielversprechenden Warte zu nähern, doch je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr rutscht das Geschehen wieder in bekannte Fahrwasser, zumal vieles im weiteren Verlauf dann doch eher plakativ und wenig überraschend daherkommt. Nichtsdestotrotz vermag die Geschichte zu faszinieren, auch wenn sie merklich hinter ihren Möglichkeiten bleibt.

6 von 10 Geheilten, aber Verstoßenen

The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen.

  • Geheilte, aber Verstoßene - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

David Freyne vermag sich dem einschlägigen Genre des Infizierten-Horror in The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. von einer spannenden und vielversprechenden Warte zu nähern, doch je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr rutscht das Geschehen wieder in bekannte Fahrwasser, zumal vieles im weiteren Verlauf dann doch eher plakativ und wenig überraschend daherkommt. Nichtsdestotrotz vermag die Geschichte zu faszinieren, auch wenn sie merklich hinter ihren Möglichkeiten bleibt.

6.0/10
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vgw

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