Review: Hauptsache, die Chemie stimmt (Film)

Heute dann mal wieder ganz ein anderes Thema und meine Kritik zu einem völlig zu Unrecht ziemlich untergegangenen Film, der zwar das Rad jetzt nicht neu erfindet, aber dank großartigem Ensemble durchaus empfehlenswert ist und gut unterhält. Aber ich greife schon wieder vor, halte jetzt also lieber den Mund und lasse euch in Ruhe den Artikel lesen.

Hauptsache, die Chemie stimmt

Better Living Through Chemistry, USA/UK 2014, 91 Min.

Hauptsache, die Chemie stimmt | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseure:
Geoff Moore
David Posamentier
Autoren:
Geoff Moore
David Posamentier

Main-Cast:
Sam Rockwell (Doug Varney)
Olivia Wilde (Elizabeth Roberts)
Michelle Monaghan (Kara Varney)
Ray Liotta (Jack Roberts)
Jane Fonda (Jane Fonda)
in weiteren Rollen:
Ben Schwartz (Noah)
Ken Howard (Walter Bishop)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Hauptsache, die Chemie stimmt | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Kleinstadt-Apotheker Douglas Varney hat es nicht leicht im Leben: Vom Schwiegervater Walter Bishop nicht für voll genommen und von der eigenen Frau Kara, einer Radsport-Fanatikerin, in einer Tour kritisiert, darf er nicht einmal Bishop’s Apotheke nach deren Übernahme in Varney’s umbenennen, doch Douglas hat sich längst in sein Schicksal gefügt, sich damit abgefunden, stetig bevormundet und gleichzeitig belächelt zu werden. Doch sein Leben steht kurz davor, sich grundlegend zu ändern, als er bei der Auslieferung von Medikamenten die verführerische wie sinnliche Millionärsgattin Elizabeth Roberts kennenlernt, mit der er bald schon eine Liaison beginnt. Und Elizabeth ist es auch, die ihm die Augen öffnet, dass er als Apotheker direkt an der Quelle von zahllosen Glücklichmachern sitzt und sein pharmazeutisches Wissen lässt ihn schon bald unglaubliche Medikamentencocktails zaubern.

Sich aneinander und den Tabletten berauschend, treffen sich Douglas und Elizabeth im Geheimen immer öfter und im Rausch wächst die Idee, man könne Elizabeths verhassten Gatten Jack ebenfalls mittels Pharmazeutika um die Ecke bringen und mit dessen Geld verschwinden. Was als Spaß beginnt, wird immer mehr zu einer greifbaren Möglichkeit, gerade als ein Ermittler der DEA beginnt, Varney’s Apotheke einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Doch mit den Tabletten entwickelt Douglas auch ein gesteigertes Selbstbewusstsein, nähert sich nach Jahren seinem völlig entfremdeten Sohn wieder an und fordert seine Frau Kara gar bei einem Radsport-Rennen heraus.

Rezension:

Nicht von ungefähr hat mich Hauptsache, die Chemie stimmt – das Regie- und Drehbuch-Debüt von Geoff Moore und David Posamentier – zunächst ein wenig an Alles in Butter erinnert, nicht zuletzt weil ebenfalls unter Beteiligung von Olivia Wilde entstanden, wenn ihre Rolle hier auch größer und prägender ist, denn bei beiden Filmen handelt es sich um kleine, unscheinbare, recht unaufgeregte Produktionen, die dafür mit allerhand Spleens und Skurrilität, eingebettet in amerikanische Kleinstadtidylle, zu punkten versuchen und mit ihren Marotten und selbst der teils etwas holprigen Inszenierung zahlreiche Sympathiepunkte einfahren. Sind es bei dem anderen Film Butter-Skulpturen und exzentrische Kleinstadt-Originale, darf man sich hier derweil auf radsportbegeisterte Fanatiker und Ninjas freuen, vor allem aber auf gehörig Tablettenmissbrauch und wahninduzierte Mordkomplotte sowie selbstverständlich eine gehörige Portion Sex, natürlich ebenfalls gerne mit Tabletten aufgepimpt.

Szenenbild aus Hauptsache, die Chemie stimmt | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Das ist nicht brandneu oder riesig innovativ, noch nicht einmal häufig zum Brüllen komisch, aber wahnsinnig warmherzig und grundsympathisch erzählt, was aber vor allem an Sam Rockwells Darstellung des kleinlauten Apothekers Doug Varney liegt, mit dem man unmittelbar warm wird und auf dessen Seite man sich selbst dann schlägt, wenn er seine Frau zu betrügen beginnt, die, dargestellt von der großartigen (und nie unsympathischer wirkenden) Michelle Monaghan (True Detective), eine echte Xanthippe ist. Vor allem aber funktioniert die Chemie zwischen Rockwell und Olivia Wilde, die hier die klassische Femme Fatale verkörpert und als Elizabeth Roberts dem harmlosen, schüchternen und duckmäuserischen Apotheker Varney die Freuden des Tablettenkonsums näherbringt, der ihn zu einem gänzlich neuen und weitaus selbstbewussteren Menschen macht. Aber Hauptsache, die Chemie stimmt ist mitnichten eine Lobpreisung auf den ungezügelten Medikamentenkonsum und zeigt auch die Kehrseite des Missbrauchs, verliert dennoch auch in diesen Parts nie seinen leichtfüßigen Charme und vor allem den beißend satirischen Unterton, denn dass man das Gezeigte nicht für bare Münze nehmen sollte, dürfte wohl jedem halbwegs mündigen Zuschauer klar sein.

Insofern ist Hauptsache, die Chemie stimmt mit Sicherheit nicht politisch korrekt und sollte mit einem Augenzwinkern betrachtet werden, doch fällt das aufgrund der überzogenen Figuren und den aberwitzigen Situationen, in die sie geraten, hoffentlich auch nicht allzu schwer. Während der Film recht gemächlich beginnt, ist es dann gerade der Mittelteil, wenn Doug versucht, unter Zuhilfenahme von Tabletten seiner Frau Kara den Rang als Radsport-Champion streitig zu machen, wenn der Gedanke reift, man könne Elizabeths Ehemann ermorden, um mit dessen Geld das Weite zu suchen, wenn Doug auf Ninja-Kreuzzug mit seinem Sohnemann geht, der am ehesten zum Lachen verleitet, bevor das Ende dann wieder geringfügig ernstere Töne anschlägt, vor allem aber den Mut beweist, kein lupenreines und mit Zuckerglasur überzogenes Happy End abzuliefern, sondern stattdessen etwas bodenständiger und glaubwürdiger zu enden, was dem ansonsten sehr abgehobenen Film eine angenehme Erdung zum Schluss gibt. Aber wie gesagt, so richtig zum Lachen ist der Film nicht gemacht, also eine der eher leiseren Komödien, bei der man schmunzelt, sich wohlfühlt, Spaß hat, was wiederum ebenfalls überwiegend Rockwells Darstellung geschuldet ist, wobei selbst Monaghan für einige wirklich großartige Szenen zu haben ist.

Szenenbild aus Hauptsache, die Chemie stimmt | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Über Ray Liotta und Jane Fonda allerdings braucht man tatsächlich kaum ein Wort verlieren, da ihre Rollen so klein sind (und insbesondere Fonda eigentlich nur als Erzählerin fungiert), dass hier weder gute noch schlechte Leistungen gelobt oder bemängelt werden könnten. Hauptsache, die Chemie stimmt ist sicher kein Film, den man gesehen haben muss, den man aber, gerade wenn man Freund der beteiligten Schauspieler ist (was man durchaus sein sollte), mögen kann, wenn man denn nicht zu sehr versucht ist, eine tiefergehende Botschaft in den Film hineinzuinterpretieren, denn den Medikamentenmissbrauch so witzig und vor allem letztendlich ohne einschneidende Konsequenzen hinzustellen und einfach nur auf den komödiantischen Aspekt eines berauschten Apothekers zu bauen entspricht vermutlich nicht jedermanns Humorverständnis und wirkt bei näherer Betrachtung durchaus krude, doch sehe ich hier die Tabletten lediglich als Hilfsmittel für Varney, seiner Unterwürfigkeit zu entkommen und ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen, wobei hinzukommt, dass es mir solche spleenigen, teils seltsamen, vor allem aber ideenreichen Filme, zu deren Kategorie eben auch Moores und Posamentiers Debüt gezählt werden muss, einfach angetan haben und wenn dann noch solch ein spielfreudiger Cast zusammenkommt, den Figuren Leben einzuhauchen, darf man sich bei ähnlicher Neigung auf anderthalb Stunden herrlich unorthodoxe Unterhaltung einstellen.

Fazit & Wertung:

Das Kernthema von Hauptsache, die Chemie stimmt, dass der Apotheker Varney erst durch den übermäßigen Konsum seiner eigenen Medikamente den Weg zu einem freien und erfüllten Leben findet, mag, wenn man den satirischen Blickwinkel außer Acht lässt, krude und in seiner Botschaft falsch wirken, doch erzählt der Film als solches eine liebenswerte und humorige Geschichte, die vor allem angenehm aus dem Einheitsbrei der weit weniger einfallsreichen und deutlich angepassteren Produktionen herausragt und mit vielen exzentrischen Figuren und den in ihren Rollen großartig aufspielenden Darstellern Sam Rockwell und Olivia Wilde zu punkten versteht.

7 von 10 munter miteinander vermengten Medikamenten-Cocktails

Hauptsache, die Chemie stimmt

  • Munter miteinander vermengte Medikamenten-Cocktials - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Das Kernthema von Hauptsache, die Chemie stimmt, dass der Apotheker Varney erst durch den übermäßigen Konsum seiner eigenen Medikamente den Weg zu einem freien und erfüllten Leben findet, mag, wenn man den satirischen Blickwinkel außer Acht lässt, krude und in seiner Botschaft falsch wirken, doch erzählt der Film als solches eine liebenswerte und humorige Geschichte, die vor allem angenehm aus dem Einheitsbrei der weit weniger einfallsreichen und deutlich angepassteren Produktionen herausragt und mit vielen exzentrischen Figuren und den in ihren Rollen großartig aufspielenden Darstellern Sam Rockwell und Olivia Wilde zu punkten versteht.

7.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Hauptsache, die Chemie stimmt ist am 10.04.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Patrick

    Vielen Dank für dein Review. Nun habe ich endlich ein Nieschenfilm, mit dem ich meine Freundin überraschen kann. Danke dafür!

    • Ui, das freut mich ja, gerne! Hoffe er gefällt ihr/euch dann auch ähnlich gut wie mir!

  • Pingback: Review: Pixels (Film) | Medienjournal()

%d Bloggern gefällt das: