Review: Frank (Film)

Weil ja heute neben Simon Peggs Geburtstag auch Valentinstag ist, würde man meinen, ich hätte eventuell gar einen Liebesfilm im Gepäck, doch ist dem nicht so, dafür eine Liebeserklärung an die eigene Individualität, eine Liebeserklärung an die Musik und das Medium Film, die heute in Gestalt des nun zu besprechenden Films daherkommt.

Frank

Frank, UK/IE/USA 2014, 95 Min.

Frank | © Weltkino Filmverleih/Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Lenny Abrahamson
Autoren:
Jon Ronson
Peter Straughan

Main-Cast:
Domhnall Gleeson (Jon Burroughs)
Maggie Gyllenhaal (Clara)
Scoot McNairy (Don)
Michael Fassbender (Frank)
in weiteren Rollen:
François Civil (Baraque)
Carla Azar (Nana)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Frank | © Weltkino Filmverleih/Universum Film
© Universum Film

Jon Burroughs hält sich in seinem Küstenkaff für den angesagten Musiker schlechthin und prahlt nach einem öden Arbeitstag gern damit, den ganzen Tag an allzu profanen Textzeilen für einen neuen Song gewerkelt zu haben, ohne sich selbst einzugestehen, dass er kaum mehr als ein Möchtegern-Musiker ist. Ganz anders hingegen Frank, der zwar tagein tagaus mit einem Pappmaché-Kopf durch die Gegend rennt, davon abgesehen aber zu seiner progressiven und experimentalen Musik steht und scheinbar gänzlich in sich ruht. Als sich Jon unverhofft die Gelegenheit bietet, Teil von Franks Band, den "Soronprfbs" zu werden, ergreift er sie und stürzt sich in ein Abenteuer, dessen Ausmaße er nicht annähernd begreift, denn nach der Zusage, die exzentrische Band unterstützen und begleiten zu wollen, findet sich Jon alsbald in einer abgelegenen Hütte wieder, nachdem er eigentlich dachte, es handele sich nur um einen mehrtägigen Ausflug, um ein paar Gigs zu absolvieren, doch Frank hat weit Größeres im Sinn…

Rezension:

Schon seit ich das erste Mal von Frank hörte, wusste ich, dass ich diesen Film würde sehen müssen und auch wenn seitdem doch wieder weit mehr Zeit ins Land gezogen ist, als eigentlich beabsichtigt, sollte es schlussendlich soweit sein und der kaum mehr als anderthalbstündige Reigen entpuppte sich tatsächlich als exakt das skurrile und exzentrische Werk, das ich mir erwartet hatte, wenn der unangepasste und oft von dramatischen Untertönen durchzogene Humor sicherlich nicht jedermanns Sache sein dürfte, doch macht das eben auch eines der Alleinstellungsmerkmale des Films aus, dass er sich nicht gerade beim Zuschauer anbiedert und in Art und Auftreten den ausgefallenen und eigenwilligen Musikern in nichts nachsteht. Als Erzähler und Beobachter fungiert hier derweil der wie immer wunderbare Domhnall Gleeson (Ex Machina), der als ambitionierter Teilzeit-Musiker Jon Burroughs mit "The Soronprfbs" – so der Name der Band – seine Chance gekommen sieht, zu Ruhm und Reichtum zu gelangen und dabei mehr und mehr nicht nur seine Ideale, sondern in letzter Konsequenz auch Frank und seine Band-Kollegen verrät, womit Jon auch die spürbarste Entwicklung durchmacht, während man den anderen Figuren beinahe Stagnation vorwerfen könnte, was in diesem Fall aber nichts schlechtes bedeutet, weil es einfach nur verdeutlicht, dass die anderen schrägen Gestalten längst ihr Innerstes erforscht und zu sich selbst gefunden haben, also deutlich mehr in sich ruhen und von sich überzeugt sind, als der sich stets anbiedernde Jon, der es allen recht zu machen versucht.

Szenenbild aus Frank | © Weltkino Filmverleih/Universum Film
© Universum Film

Abgesehen von Jon aber, der zumindest anfänglich sicherlich als Identifikationsfigur auftreten darf, steht und fällt der Film aber natürlich mit Franks Darstellung durch Michael Fassbender (Macbeth), den man tatsächlich beinahe den gesamten Film über zu keinem Zeitpunkt ohne seinen Pappmaché-Kopf zu Gesicht bekommt, den er selbst zum Duschen oder bei Grenzkontrollen nicht abnimmt, dort stattdessen ein ärztliches Attest vorschützt. Natürlich wirft eine solches Gebaren allerhand Fragen auf, wie etwa was die Nahrungsaufnahme oder das Zähne putzen betrifft, doch werden solche Gedanken im Film liebevoll angerissen, um aufzuzeigen, dass selbst den Machern bewusst sein dürfte, dass sich hier einige logische Fallstricke verbergen. Darum geht es in Frank trotz des Namens aber gar nicht zuvorderst, sondern eben vielmehr die Bewunderung, die Amateur-Musiker Jon für den grenzenlos kreativen und exaltierten Künstler aufzubringen bereit ist, den er am liebsten ganz für sich hätte, was zunehmend für Spannungen innerhalb der Gruppe sorgt, speziell während ihrer mehr als einjährigen Auszeit in einer abgelegenen Hütte, um das Album aufzunehmen.

Dabei ist Frank zunächst beinahe stringent erzählt, um sich ab dem Zeitpunkt der Ankunft in der Hütte zu einer beinahe episodenhaften Abhandlung mehr oder minder tragikomischer Momente zu wandeln, die allesamt auf Exzentrik und Skurrilität abstellen, was in Anbetracht des tollen Cast, zu dem auch Maggie Gyllenhaal (In guten Händen) und Scoot McNairy (Non-Stop) gehören, kein allzu schweres Unterfangen ist, denn jeder ist hier spürbar mit Leib und Seele dabei und verinnerlicht die Rolle seiner Figur aufs Vortrefflichste. Um aber noch einmal auf Frank zurückzukommen, war mir im Vorfeld gar nicht bewusst, dass es eine reale Entsprechung zu seiner Figur gibt, wenn auch in deutlich abgewandelter Form, nämlich den 2010 verstorbenen Komiker und Musiker Chris Sievey und dessen Alter Ego Frank Sidebottom, doch wenn man dann darum weiß, dass einer der Drehbuchautoren, Jon Ronson einmal Schlagzeuger in dessen Band "Oh Blimey Big Band" war, erklärt das natürlich einiges und während der Film zunächst wohl biografisch gefärbt sein sollte, entwickelte er sich mehr und mehr zu einer eher lose inspirierten Story, wobei Jon Ronson natürlich schon mit Männer, die auf Ziegen starren sein Gespür für unangepasste und eher exzentrische Stoffe unter Beweis gestellt hat.

Szenenbild aus Frank | © Weltkino Filmverleih/Universum Film
© Universum Film

Was Frank aber neben Michael Fassbenders schierer Präsenz unter dem Kopf, der ihn logischerweise gänzlich seiner Mimik beraubt hat, ausmacht und besonders macht, ist, dass die Musik von den Darstellerinnen und Darstellern vor Ort live gespielt und inszeniert worden ist, was dem Geschehen eine Unmittelbarkeit verleiht, die oftmals eher an eine Doku denn an einen Spielfilm erinnern mag, zumal es bei dieser Art der verqueren Musik nicht gerade unwichtig ist, selbige möglichst glaubhaft zu verkaufen, denn was hier an Songs abgeliefert wird, hätte bei einer nicht so ausgeprägten Chemie innerhalb der Gruppe und einer nicht so spürbaren Hingabe schnell aufgesetzt und übertrieben wirken können, doch umschifft der Film diese Unwägbarkeiten mit regelrechter Leichtigkeit. Einzig gegen Ende – und es bricht mir das Herz, das noch erwähnen zu müssen – verliert der Film ein wenig an Schwung und das letzte Drittel des Films gerät nicht annähernd so überzeugend wie die Zeit in der Waldhütte, wobei immerhin das Ende wieder versöhnlich stimmt, aber hier verschenkt das Geschehen spürbar Potential, wenn man Frank nicht mehr einfach nur als den Exzentriker feiert, als den er sich inszeniert, sondern auf leider eher platte Weise versucht, der Person unter dem Pappmaché-Kopf näherzukommen, was grundsätzlich ja sicher zu begrüßen ist, hier aber manchmal wirkt, als würde man plötzlich mit mitleidigem Blick auf die Figur schauen, deren Anders- und Einzigartigkeit zuvor so gefeiert worden ist und das ist schlichtweg schade. Nichtsdestotrotz ist Frank aber natürlich dennoch ein ungemein lohnenswerter und ungewöhnlicher Film, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird und den ich gerne als Teil meiner Sammlung verbuche.

Fazit & Wertung:

Lenny Abrahamsons Frank ist sicherlich kein Film für die breiten Massen und dürfte mit seinen tragikomischen Anwandlungen und dem gewollt unangepassten und exzentrischen Auftreten manchen Zuschauer verprellen, doch wer sich einmal an einem ganz und gar andersartigen (und fiktionalen) Musiker-Biopic versuchen möchte oder auch nur erleben will, wie Michael Fassbender trotz Pappmaché-Kopf jede Szene dominiert, dem sei dieser nicht zu Unrecht als Indie-Perle angepriesene Film wärmstens ans Herz gelegt.

8 von 10 exzentrischen Musik-Kompositionen

Frank

  • Exzentrische Musik-Kompositionen - 8/10
    8/10

Kurzfassung

Lenny Abrahamsons Frank ist sicherlich kein Film für die breiten Massen und dürfte mit seinen tragikomischen Anwandlungen und dem gewollt unangepassten und exzentrischen Auftreten manchen Zuschauer verprellen, doch wer sich einmal an einem ganz und gar andersartigen (und fiktionalen) Musiker-Biopic versuchen möchte oder auch nur erleben will, wie Michael Fassbender trotz Pappmaché-Kopf jede Szene dominiert, dem sei dieser nicht zu Unrecht als Indie-Perle angepriesene Film wärmstens ans Herz gelegt.

8.0/10
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Frank ist am 30.10.15 auf DVD und Blu-ray bei Weltkino Filmverleih im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Singende Lehrerin

    Deine Rezension erinnert mich daran, dass ich mal bei meinem Bruder – selbst Musiker – nachfragen muss, ob er sich den Film (Geschenk von mir) endlich angesehen hat. 😉 Ich denke auch, dass der Film wahrlich nicht für ein Mainstream-Publikum gemacht ist, fand ihn aber auch erfrischend anders. Und ich finde es einfach fantastisch, dass Michael Fassbender, der sich bestimmt inzwischen auch einfach nur irgendwelche Mainstream-Blockbuster aussuchen könnte, in so einem Film abseits von massentauglichen Hollywood-Streifen mitspielt, in dem sein Gesicht noch dazu so gut wie nicht zu sehen ist.

    Leider habe ich damals keine Rezension zu dem Film geschrieben, aber ich glaube, ich hätte ihm 7,5 gegeben.

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