Review: A Most Violent Year (Film)

Tja, für eine Serien-Kritik hat es heute wieder nicht gelangt, aber was soll der Geiz, gibt es eben noch eine Film-Kritik diese Woche, hab ja schließlich noch genug davon hier rumfliegen. Macht euch ein schönes Wochenende!

A Most Violent Year

A Most Violent Year, USA 2014, 125 Min.

A Most Violent Year | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
J.C. Chandor
Autoren:
J.C. Chandor

Main-Cast:
Oscar Isaac (Abel Morales)
Jessica Chastain (Anna Morales)
in weiteren Rollen:
David Oyelowo (D.A. Lawrence)
Alessandro Nivola (Peter Forente)
Albert Brooks (Andrew Walsh)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus A Most Violent Year | © Universum Film
© Universum Film

New York Anfang der 1980er-Jahre ist ein gefährliches Pflaster, wie auch der aufstrebende Geschäftsmann Abel Morales am eigenen Leib erfahren muss, denn die Fahrer seines Heizöl-Unternehmens werden immer wieder von rivalisierenden Unternehmen aufgerieben und angegriffen. Stets bemüht, legal und moralisch integer zu handeln, hat Abel dennoch den Staatsanwalt Lawrence im Nacken sitzen und muss sich zu allem Übel auch noch darauf konzentrieren, binnen dreißig Tagen das Geld für einen Grundstückskauf zusammenzukriegen. Nicht bereit, sich der auf den Straßen herrschenden Gewalttätigkeit zu beugen, ist es ausgerechnet Abels Frau Anna, ihres Zeichens Tochter eines Kriminellen, die ihn immer wieder drängt, auf weniger zaghafte Methoden zurückzugreifen, um seine Position in der umkämpften Stadt zu festigen…

Rezension:

Davon abgesehen, dass das New York Anfang der achtziger Jahre für sich genommen schon ein ungemein lohnenswertes Pflaster für filmisches Schaffen darstellt, würde man meinen, dass eine Geschichte über einen aufstrebenden Heizöl-Lieferanten nun nicht wahnsinnig viel Drama und Spannung bereithalten würde und entsprechend ist A Most Violent Year weitestgehend an der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vorbeigerauscht, was mich dennoch in Anbetracht der Besetzung ein wenig verwundert. Drehbuchautor und Regisseur J. C. Chandor, den ich noch aus Margin Call in guter Erinnerung hatte, gelingt hier aber das seltene Kunststück, aus einer auf dem Papier recht profan wirkenden Geschichte ein atmosphärisch ungemein dichtes Werk zu erschaffen, dass einerseits Charakter-Drama, andererseits Milieu-Studie zu sein versteht und sich dabei trotz des bekannten und gern herangezogenen Settings fernab ausgetretener Pfade bewegt, denn auch wenn die Kriminalität des New York zur damaligen Zeit hier durchaus wichtiger Teil der Erzählung ist, konzentriert er sich eben nicht auf mordende und plündernde, am besten noch rivalisierende Gangsterbanden, sondern legt seinen Fokus ganz klar auf den ambitionierten Abel Morales, bei dem der Name Programm zu sein scheint.

Szenenbild aus A Most Violent Year | © Universum Film
© Universum Film

Morales seinerseits wird verkörpert von dem ungemein talentierten Oscar Isaac (Ex Machina), der mit dieser Rolle einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt und mit knapper Mimik und meistenteils zurückhaltenden Gesten dennoch tief in das Innere seiner Figur blicken lässt, die sich nicht nur im Konflikt mit den äußeren Umständen, sondern oftmals auch mit seiner Frau befindet, der wiederum von Jessica Chastain (Crimson Peak) Gesicht und Stimme geliehen wird und die ihres Zeichens aus einer uns als Zuschauer ungleich bekannteren Ecke, dem kriminellen Milieu stammt und folglich ihren Mann mehr als einmal davon zu überzeugen versucht, eventuell auch "andere" Mittel und Wege in Betracht zu ziehen, um seine Ziele zu erreichen, doch die moralische Integrität von Abel ist nicht nur roter Faden der Erzählung, sondern gleichsam Thema von A Most Violent Year, zumal es Chandor gelingt, ohne übertriebene Effekthascherei oder konstruiert wirkende Begebenheiten aufzuzeigen, was passiert, wenn man seine eigenen Ideale und Werte verrät.

Das ist es dann auch, was diesen Film für den geneigten Cineasten so lohnenswert und interessant macht, denn die rund zweistündige Geschichte ist wie gesagt weder besonders wendungsreich noch übertrieben aufgebauscht und bewegt sich folglich erzählerisch in überwiegend ruhigem Fahrwasser, was aber die wenigen Adrenalin-Spritzen innerhalb der Erzählung nur umso effektiver macht. Hier steht ganz klar das Drama im Vordergrund und mit ihm das Schicksal von Morales und dessen Frau, während es aber auch die weiteren Darsteller wie David Oyelowo (The Paperboy) als undurchsichtiger Staatsanwalt sowie Albert Brooks als Morales‘ loyaler Rechtsvertreter nicht versäumen, ihren Figuren genügend Gewicht zu verleihen, wobei sie natürlich im direkten Vergleich doch eher blass bleiben, was eben damit zusammenhängt, dass es sich im weitesten Sinne um ein Zwei-Personen-Stück handelt, wie schon das Cover suggeriert, denn die Geschichte lebt und atmet allein der schwirrenden Ambivalenz der Eheleute wegen, die sich ob der sich enger ziehenden Schlinge gegenseitig immer weiter aufreiben und jeweils auf ihre eigene Weise versuchen, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

Szenenbild aus A Most Violent Year | © Universum Film
© Universum Film

Während ich mir also von J. C. Chandors erstem Film bereits Großes versprach, er dort dieses Versprechen aber nur bedingt einlösen konnte, hat er mich – vielleicht auch wegen vorsorglich geringfügig zurückgefahrener Erwartungen – in A Most Violent Year kalt erwischt und das im positivsten Sinne, denn während ich kaum in Worte zu kleiden wüsste, was den Film abgesehen von seiner Atmosphäre und den beiden großartigen Hauptdarstellern so lohnenswert macht, fühlte ich mich schon lange nicht mehr für die Dauer von rund zwei Stunden so dermaßen in den Sessel gedrückt wie hier und das, wie gesagt, obwohl Chandor durchaus Freund einer eher gemächlichen Erzählweise ist, doch schwingt hier eben zudem noch eine Menge Zeitgeist und Lokalkolorit mit und so wird das New York von 1981 hier nicht nur spürbar lebendig, sondern eben auch von einer erfrischenden neuen Warte beleuchtet, derweil es dem Film gar wie nebenbei gelungen ist, mir nicht nur die Machenschaften der Heizölindustrie und deren Arbeitsweise näherzubringen, sondern mich gleich noch mit Abel Morales zu verbrüdern, der wie kaum ein Filmcharakter natürlich als Identifikationsfigur wie geschaffen ist, auch wenn man zunächst meint, mit seinem Gewerbe nichts anfangen zu können.

Fazit & Wertung:

Wer sich von A Most Violent Year ein Gangster-Drama erwartet, sollte um J. C. Chandors Film womöglich einen Bogen machen, doch als Milieu-Studie, vor allem aber als von seinen zwei Hauptfiguren getragenes, packendes Drama macht das dritte Werk des Regisseurs und Drehbuchautors eine mehr als gute Figur, denn atmosphärisch stimmt hier schlichtweg alles und entsprechend beklemmend fällt der Ausflug ins New York Anfang der Achtziger aus.

8 von 10 überfallenen Heizöl-Transporter

A Most Violent Year

  • Überfallene Heizöl-Transporter - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Wer sich von A Most Violent Year ein Gangster-Drama erwartet, sollte um J. C. Chandors Film womöglich einen Bogen machen, doch als Milieu-Studie, vor allem aber als von seinen zwei Hauptfiguren getragenes, packendes Drama macht das dritte Werk des Regisseurs und Drehbuchautors eine mehr als gute Figur, denn atmosphärisch stimmt hier schlichtweg alles und entsprechend beklemmend fällt der Ausflug ins New York Anfang der Achtziger aus.

8.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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A Most Violent Year ist am 07.08.15 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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