Review: Im Netz der Versuchung (Film)

Heute widme ich mich dann mal einem Film, der erst nächste Woche fürs Heimkino erscheinen wird und der bei den Kritikern gar nicht mal so gut angekommen ist, weshalb ich mich gerne bereit erkläre, eine Lanze für ihn zu brechen, denn mir persönlich hat Steven Knights Film in seiner ganzen Aufmachung und Art doch ausnehmend gut gefallen.

Im Netz der Versuchung

Serenity, USA/UK 2019, 106 Min.

Im Netz der Versuchung | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Steven Knight
Autor:
Steven Knight

Main-Cast:

Matthew McConaughey (Baker Dill)
Anne Hathaway (Karen Zariakas)
Jason Clarke (Frank Zariakas)
Diane Lane (Constance)
Djimon Hounsou (Duke)
Jeremy Strong (Reid Miller)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Im Netz der Versuchung | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem Baker Dill seinen Kriegsdienst abgeleistet hat und seine Ehe in die Brüche gegangen ist, hat er sich auf das abgelegene Eiland Plymouth zurückgezogen. Dort widmet er sich dem Fischfang und fährt Touristen zum Thunfischangeln auf hohe See, doch Baker treibt auch eine manische Besessenheit um, die sich auf einen enormen Thunfisch richtet, der ihm schon mehrfach durch die Lappen gegangen ist. Das geht so weit, dass er nicht die Angelrute abzugeben bereit ist, wenn das Ungetüm mal wieder am Haken hängt, womit er natürlich zahlende Kunden verprellt. Kein Wunder also, dass Baker Dill stetig in finanzieller Misere steckt. Dann erscheint aber eines Tages ausgerechnet Ex-Frau Karen auf Plymouth und macht Baker ein gleichermaßen fragwürdiges wie unmoralisches Angebot, denn sie bittet ihn um nichts weniger, als mit ihrem gewalttätigen Ehemann Frank Zariakas hinauszufahren und ihn dort wortwörtlich den Fischen zum Fraß vorzuwerfen. Im Gegenzug verspricht sie ihrem Ex-Mann die stolze Summe von zehn Millionen Dollar. Der weigert sich dennoch, doch die Tatsache, dass sein Sohn Patrick ebenfalls unter den Aggressionen und Wutausbrüchen von Frank zu leiden hat, lässt ihn nachdenklich werden…

Rezension:

Zum Glück wusste ich in etwa, was mich bei Im Netz der Versuchung in etwa erwarten würde beziehungsweise immerhin, dass nicht alles so sein würde, wie es zunächst scheint, denn ansonsten hätte ich mich wahrscheinlich ähnlich verprellt gefühlt wie wohl so einige Zuschauer, die eben bei Aufmachung und Marketing vielleicht eher an einen Thriller mit hitzig-erotischem Einschlag gedacht haben, was freilich auch der – mit Verlaub selten dämliche – deutsche Titel suggeriert. Gleichwohl bin ich aus naheliegenden Gründen natürlich froh, dass man den Titel nicht bei Serenity belassen hat, der mich bei der ersten Ankündigung des Films durchaus in rappelige Vorfreude hat ausbrechen lassen. Um also nichts von der eigentlichen Handlung oder dem Twist zu spoilern, der so spektakulär gar nicht geraten ist, allerdings zugegebenermaßen den Film in ein gänzlich neues und unerwartetes Licht rückt, belasse ich es bei einer vage formulierten Empfehlung, dass man bestmöglich offen und erwartungsfrei an das Werk herangehen sollte. Dieses wurde übrigens in Personalunion als Drehbuchautor und Regisseur von Steven Knight realisiert, der 2013 mit No Turning Back einen echten Überraschungs-Hit abgeliefert hat. Und ich scheine ein Faible für dergestalt ungewöhnliche wie mutige Autorenfilme entwickelt zu haben, denn ähnlich wie Drew Goddards Bad Times at the El Royale oder Drew Pearce‘ Hotel Artemis wusste mir auch dieses Werk durchaus zu imponieren, auch wenn es ganz offenkundig den Geschmack der Massen nicht einmal ansatzweise getroffen zu haben scheint, was aber eben auch an schlechter bis schädigender Vermarktung gelegen haben mag.

Szenenbild aus Im Netz der Versuchung | © Universum Film
© Universum Film

Ich will die Schuld aber nicht gänzlich auf die Marketingabteilung schieben, denn es fällt mir ähnlich schwer, eine adäquate Rezension zu verfassen, ohne aus dem Nähkästchen zu plaudern, wie es schwierig gewesen sein dürfte, den Film entsprechend zu bewerben. Wie es auch immer sein mag, ist Im Netz der Versuchung mitnichten klassischer Thriller und auch nicht unbedingt die Geschichte eines Fische fangenden Aussteigers, wobei die Reminiszenzen an beispielsweise Moby Dick oder Der alte Mann und das Meer nicht nur sehr gelungen und auffällig sind, sondern maßgeblich Stimmung und Thematik des Gezeigten beeinflussen beziehungsweise bedingen. Und ebenso gewollt ist es, dass viele der Figuren an der Grenze zur Karikatur angelegt sind, was sich insbesondere an Anne Hathaway (Colossal) belegen lässt, die als lasziv-verführerische Femme Fatale aus dem Lehrbuch auf der Insel erscheint, bevor ihre Figur Karen gegenüber Baker Dill ihre wahren Beweggründe offenbart, ihn auf Plymouth aufgesucht zu haben. Insbesondere aber der bereits in den ersten Filmminuten in Erscheinung tretende Vertreter Reid Miller (Jeremy Strong, Molly’s Game) ist es, der schnell deutlich macht, dass auf dem Eiland etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht oder der allgemeinen Auffassung von Normalität entspricht.

Derartige Andeutungen, zunächst unerklärlich wirkende Kamerafahrten, traumsequenzartige Einsprengsel und Hinweise wird es im weiteren Verlauf häufiger geben, bevor Knight erst nach einer guten Stunde die Bombe platzen lässt, was es mit dem thematischen und dramaturgischen Unterbau von Im Netz der Versuchung wirklich auf sich hat. Nichtsdestotrotz, wer gut aufpasst und hinsieht, wird weit früher ahnen können, woher der Wind weht und ich für meinen Teil habe mit meiner Vermutung tatsächlich Recht behalten, kann aber nicht behaupten, dass dies das Vergnügen an diesem durch und durch ungewöhnlichen Film geschmälert hätte. Dennoch geht mit dem Twist und dem in dessen Fahrwasser daherkommenden Paradigmenwechsel ein wenig die Faszination verloren, zumal man hier durchaus noch mehr in die Tiefe hätte gehen können, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, zumal der Twist als solcher ohnehin schon die Gemüter spalten wird. Und im Zentrum all dessen steht ein wie gewohnt superb aufspielender Matthew McConaughey (Interstellar), der sich merklich in die Rolle des zunächst gleichsam undurchsichtigen Baker Dill hineinfindet, der den Weg des Aussteigers gewählt und sich auf dem abgelegenen Eiland Plymouth eingerichtet hat.

Szenenbild aus Im Netz der Versuchung | © Universum Film
© Universum Film

Fragwürdiger und dubioser ist da schon die Rolle der von Diane Lane (Man of Steel) verkörperten Constance, mit der Baker eine lockere Bettbekanntschaft unterhält und die ihm zuweilen auch finanziell unter die Arme greift, denn deren (dramaturgische) Bewandtnis in dem Reigen hat sich mir zugegebenermaßen nicht recht erschlossen. Anders sieht das freilich – und zum Glück – bei Jason Clarke (Planet der Affen: Revolution) aus, der hier den kotzbrockigen Ehemann von Karen verkörpern darf und es nicht schwer macht, eine ausgeprägte Antipathie zu entwickeln, auch wenn es fast ein wenig schade ist, dass er so häufig nur derlei ausgemachte Unsympathen verkörpern darf – das aber zugegebenermaßen mit Bravour. Last but least wäre dann noch Djimon Hounsou (Captain Marvel) zu nennen, der als Freund und Kollege von Baker Dill in Erscheinung tritt und beinahe eine Schlüsselrolle in dem perfiden Plan einnimmt, denn die malträtierte Karen für ihren gewalttätigen Ehemann ersonnen hat und dem sich Baker Dill zunächst so vehement verweigert, bis gewisse Ereignisse und Offenbarungen sein Weltbild gehörig ins Wanken bringen. Und so verstehe ich jeden, der Im Netz der Versuchung nichts abgewinnen kann, ob dabei die Art der Inszenierung oder die zugrundeliegende Prämisse missfällt, doch ich für meinen Teil bin jetzt schon großer Fan dieser ungewöhnlichen und eigenwilligen Erzählung und des einzigartigen Blickwinkels, den diese mit sich bringt.

Fazit & Wertung:

Steven Knights Im Netz der Versuchung krankt daran, wie ein handelsüblicher Thriller zu wirken, bietet stattdessen aber eine einzigartige Form des Storytellings und Eskapismus, in dessen Fahrwasser nicht nur moralische Unwägbarkeiten verhandelt werden. Vor allem aber wird im Kern eine ganz und gar anders gelagerte, hintergründige Geschichte erzählt, der sich zu öffnen man bereit sein muss, um Gefallen an diesem zugegebenermaßen sperrigen, aber auch lohnenden Ausflug nach Plymouth zu finden.

8 von 10 Tagen und Nächten auf hoher See

Im Netz der Versuchung

  • Tage und Nächte auf hoher See - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Steven Knights Im Netz der Versuchung krankt daran, wie ein handelsüblicher Thriller zu wirken, bietet stattdessen aber eine einzigartige Form des Storytellings und Eskapismus, in dessen Fahrwasser nicht nur moralische Unwägbarkeiten verhandelt werden. Vor allem aber wird im Kern eine ganz und gar anders gelagerte, hintergründige Geschichte erzählt, der sich zu öffnen man bereit sein muss, um Gefallen an diesem zugegebenermaßen sperrigen, aber auch lohnenden Ausflug nach Plymouth zu finden.

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vgw

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