Review: The Girlfriend Experience | Staffel 1: Christine (Serie)

Bevor im Dezember gleich eine ganze Welle an neuen Serien oder Serien-Staffeln erscheint, die ich zeitnah zu rezensieren gedenke, widme ich mich heute mal einer Produktion, die ich viel zu lange schmählich vernachlässigt habe.

The Girlfriend Experience
Staffel 1
Christine

The Girlfriend Experience, USA 2016-, ca. 27 Min. je Folge

The Girlfriend Experience | © Starz
© Starz

Serienschöpfer:
Lodge Kerrigan
Amy Seimetz
Ausführender Produzent:
Steven Soderbergh

Regisseure:
Lodge Kerrigan
Amy Seimetz
Autoren:
Lodge Kerrigan
Amy Seimetz

Main-Cast:
Riley Keough (Christine Reade)
Paul Sparks (David Tellis)
Mary Lynn Rajskub (Erin Roberts)

in weiteren Rollen:

Kate Lyn Sheil (Avery Suhr)
Amy Seimetz (Annabel Reade)
James Gilbert (Jack)
Aidan Devine (Martin Bayley)
Shaun Benson (Ryan)
Nicholas Campbell (Michael Cilic)
Alexandra Castillo (Jacqueline)
Sabryn Rock (Kayla Boden)
Michael Therriault (Skip Hadderly)
Sugith Varughese (Tariq Barr)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Girlfriend Experience | © Starz
© Starz

Christine Reade ist ambitionierte Jura-Studentin und hat jüngst einen Praktikumsplatz in der renommierten Anwaltskanzlei "Kirkland & Allen" ergattern können, doch wecken derweil die Erzählungen ihrer Freundin und Kommilitonin Avery zunehmend ihr Interesse. Die nämlich arbeitet als Escort-Girl und bietet die offeriert die sogenannte "Girlfriend Experience", bei der es um weit mehr als nur buchbaren Sex geht, wofür sich die Damen allerdings auch fürstlich entlohnen lassen. Die aufgeschlossene Christine beschließt alsbald, es auf einen Versuch ankommen zu lassen und lässt sich von Avery in dieses Betätigungsfeld einführen. Der Reiz an der Sache, die Schauspielerei und nicht zuletzt das Geld reizen Christine zunehmend und unter dem Pseudonym "Chelsea Rayne" geht so fortan neben Studium und Praktikum auch dieser Profession nach, nicht ahnend, dass es schwieriger werden dürfte als geplant, diese unterschiedlichen Aspekte ihres Lebens unter einen Hut zu bekommen…

Rezension:

Nachdem The Girlfriend Experience – beziehungsweise deren erste Staffel – lange Jahre auf meiner Prime-Watchlist unbeachtet vor sich hin vegetiert hat, stieß ich jüngst wie zufällig erneut darüber, als ich auf der Suche nach einer neuen, mich bestmöglich nicht für Jahre verpflichtenden Serie war, was natürlich insofern passt, dass die Starz-Serie als Anthologie daherkommt und sich folglich die zweite Staffel gänzlich anderen Personen und Geschichten widmet. Ob ich denen ebenfalls beizeiten eine Chance geben werde, steht allerdings noch in den Sternen, denn hier reizte mich speziell Riley Keough in der Hauptrolle der Christine, deren Geschichte in den insgesamt dreizehn, nicht ganz halbstündigen Episoden zu Ende erzählt wird, auch wenn es sich um ein recht offenes Ende handelt, doch dazu später mehr. Ansonsten fußt die Serie grob auf dem Film mit gleichem Namen, der von niemand Anderem und Geringerem stammt als dem filmischen Tausendsassa Steven Soderbergh (Unsane), der hier konsequenterweise auch als ausführender Produzent fungiert, was ein weiteres Argument für die Serie sein dürfte. Ansonsten zeichnen Serienschöpfer Lodge Kerrigan und Amy Seimetz gemeinsam für das Drehbuch und im munteren Wechsel für die Regie verantwortlich und machen in beiderlei Hinsicht einen überzeugenden Job, wenn man sich denn mit der doch eher ungewöhnlichen Art ihres Storytellings anfreunden kann.

Szenenbild aus The Girlfriend Experience | © Starz
© Starz

Das beginnt im Grunde schon damit, dass The Girlfriend Experience der klare Sympathieträger fehlt, mit dem man sich zu identifizieren bereit ist. Die von Riley Keough (Logan Lucky) verkörperte Christine derweil ist zwar unbestritten Dreh- und Angelpunkt des Ganzen und damit die vorherrschende Bezugsperson, doch ihr undurchschaubares Wesen, ihre oft kaltherzige bis arrogante Art sowie die indirekt als auch direkt angedeuteten soziopathischen Züge taugen natürlich nicht unbedingt, sie die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern zu lassen. Ich für meinen Teil fand allerdings Christine gerade aus den genannten Gründen so faszinierend und interessant, weshalb ich mich gerne in deren Welt begeben habe, die sich meistenteils irgendwo zwischen Uni-Besuchen, Praktikum bei einer Anwaltskanzlei und ihren Escort-Tätigkeiten bewegt. Auf den gern bemühten, wortreich erklärenden, inneren Monolog verzichten Kerrigan und Seimetz dabei gänzlich und tun gut daran, um diese auf eine hintergründige Art und Weise schillernde Figur nicht zu entzaubern, deren Beweggründe und Gedanken mir oft genug ein Rätsel waren und geblieben sind.

Ansonsten ist The Girlfriend Experience meistenteils ruhig erzählt, köchelt auf kleiner Flamme vor sich hin und bedarf durchaus einiger Episoden, um so manche Figur und Konstellation in Stellung zu bringen und dann ab dem zweiten Drittel langsam die Daumenschrauben enger zu ziehen. Leider verfolgen die Autoren aber nicht jeden eröffneten Handlungsstrang mit der gebotenen Konsequenz und nicht wenige Teile der zunehmend undurchsichtiger werdenden Erzählung geraten über kurz oder lang am Wegesrand in Vergessenheit, was den Gesamteindruck dieser ansonsten so überzeugend eigenwilligen Show doch teils erheblich schmälert. Die Art und Weise, wie Christines unterschiedliche Lebensaspekte sich zu überlappen beginnen und letztlich zu kollabieren drohen, ist dabei ungemein gelungen und trotz der überwiegend unaufgeregten Darbietung ungemein fesselnd zu verfolgen, doch wenn der Protagonistin gleich von mehreren Seiten Gefahr und Denunzierung droht, schlägt das Skript doch manchmal zu sehr über die Stränge. Dessen ungeachtet bewahrt Riley Keough aber stets Haltung und beweist vor allem gehörigen Mut, denn wie man es sich von einer solchen Serie erwarten würde, blitzt hier einiges an nackter Haut auf und Christine entblößt sich – nicht nur körperlich – in mehr als nur ein paar intimen Momenten, wobei der voyeuristische Blickwinkel natürlich dazu beiträgt, einerseits Sinnlichkeit, andererseits Unbehagen zu vermitteln.

Szenenbild aus The Girlfriend Experience | © Starz
© Starz

The Girlfriend Experience versteift sich aber mitnichten darauf, nur seine Hauptdarstellerin möglichst pikant in Szene setzen zu wollen und so sind die Szenen innerhalb der Anwaltskanzlei "Kirkland & Allen" nicht minder tragend oder bedeutsam für den Fortgang der Geschichte, wodurch dann auch die Co-Stars Paul Sparks (Vollblüter) und Mary Lynn Rajskub (Californication) zum Tragen kommen, während Christine sich an allen Fronten zu behaupten und verwirklichen versucht, wozu ihr zunehmend jedes Mittel recht scheint. Nichtsdestotrotz scheint es aber, als hätten die beiden Autoren beziehungsweise Regisseure kaum genug Material für eine dreizehn Folgen füllende Staffel gehabt. Denn so schön es ist, der Spannung dabei zusehen zu können, wie sie sich steigert, entlädt die wachsende Bedrohung sich letztlich auch überraschend früh und ab diesem Zeitpunkt wirkt es beinahe so, als würde man einem ausgedehnten, sich über mehrere Episoden erstreckenden Outro beiwohnen. Und auch wenn sicherlich noch einiges zur Sprache gebracht und abschließend verhandelt wird, ist dabei der vormals doch stets im Hintergrund vorhandene Thrill nicht mehr spüren, was die letzten Episoden ein wenig fad erscheinen lässt. Selbst das Staffelfinale, in diesem Fall ja auch gleichsam finaler Akt für Christine, weiß nicht mehr viel Neues zu berichten und konkretisiert lediglich Dinge, die man bereits weiß, um dann immerhin auf einer kompromisslos melancholischen Note zu enden, welche die Deutungshoheit ein letztes Mal ganz dem Zuschauer überlässt.

Fazit & Wertung:

Die von Steven Soderbergh produzierte Starz-Serie The Girlfriend Experience beginnt vielversprechend und punktet mit einer exzellenten Hauptdarstellerin, während sich Spannung und Thrill in diesem ungewöhnlichen Drama zunehmend nach oben schrauben, doch scheint dem Skript im letzten Drittel zunehmend die Luft auszugehen, derweil die beinahe schon elegische Erzählweise nicht jedem gefallen dürfte.

7,5 von 10 intimen Begegnungen

The Girlfriend Experience | Staffel 1: Christine

  • Intime Begegnungen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Die von Steven Soderbergh produzierte Starz-Serie The Girlfriend Experience beginnt vielversprechend und punktet mit einer exzellenten Hauptdarstellerin, während sich Spannung und Thrill in diesem ungewöhnlichen Drama zunehmend nach oben schrauben, doch scheint dem Skript im letzten Drittel zunehmend die Luft auszugehen, derweil die beinahe schon elegische Erzählweise nicht jedem gefallen dürfte.

7.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Der Einstieg (7/10)
02. Eine Freundin (7/10)
03. Selbstbehauptung (7/10)
04. Zu weit gegangen (7/10)
05. Versicherung (7,5/10)
06. Grenzen (7,5/10)
07. Zugang (8/10)
08. Provokation (8/10)
09. Unerwartet (8,5/10)
10. Verfügbar (7/10)
11. Lügenmärchen (7,5/10)
12. Zuhause (6,5/10)
13. Trennung (6,5/10)

 
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The Girlfriend Experience | Staffel 1 ist seit dem 10.04.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.


vgw

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