Weiter geht es mit Altlasten abarbeiten und einem Film, der sich auch wunderbar im Horrorctober gemacht hätte, wenn ich ihn denn nicht viel zu spät gesehen hätte, derweil ich jetzt nicht bereit bin, den Artikel bis nächsten Oktober auf Halde liegen zu haben.
Oculus
Oculus, USA 2013, 104 Min.
© Universum Film
Mike Flanagan
Mike Flanagan
Jeff Howard
Brenton Thwaites (Tim Russell)
Katee Sackhoff (Marie Russell)
Annalise Basso (Young Kaylie)
Garrett Ryan (Young Tim)
Horror | Mystery
Trailer:
Inhalt:
© Universum Film
Pünktlich zu seinem 21. Geburtstag wird Tim aus der psychiatrischen Einrichtung entlassen, in der er die vergangenen zwölf Jahre zugebracht hat und kommt bei seiner zwei Jahre älteren Schwester Kaylie Russell unter. Die hat nur auf dessen Entlassung gewartet, denn endlich ist es ihr möglich, zu beweisen, dass nicht ihr Bruder und schon gar nicht ihr Vater verantwortlich sind für die Familientragödie, die sich mehr als eine Dekade zuvor ereignet hat, sondern ein antiker Spiegel, den man in Ermangelung wissenschaftlicherer Bezeichnungen nur als "verflucht" oder "besessen" bezeichnen kann. So lädt sie Tim zu ihrem alten Elternhaus, wo sie auch schon eine ausgefeilte Apparatur an Mess- und Aufzeichnungselementen platziert hat, die letztlich ihre These beweisen sollen, denn sie gedenkt, die Präsenz innerhalb des Spiegels in kontrollierter Umgebung erneut hervorzulocken. Tim derweil ist mittlerweile fest überzeugt, dass seine Erinnerungen ihn trügen und die Erklärungen für die damalige Tragödie samt und sonders rational sind, doch Kaylie lässt sich nicht beirren…
Rezension:
Noch während meiner Horrorctober-Sichtungen stieß ich wieder einmal auf Oculus und zugegebenermaßen allein aufgrund der Beteiligung von Karen Gillan (Jumanji) nahm ich mir vor, dem Horrorstreifen – die ich im Oktober schon irgendwie durchaus neu für mich entdeckt habe – beizeiten mal eine Chance zu geben. Der stammt nun wiederum von Mika Flanagan, der seinen eigenen Kurzfilm aus dem Jahre 2006 adaptiert hat und dieser Tage mit seiner Regie- und Drehbucharbeit für Doctor Sleeps Erwachen in aller Munde sein dürfte. Wieder einmal in Erwartung eines nach üblichem Schema aufgebauten Horrorstreifens war ich dann durchaus vom Aufbau der Geschichte überrascht, die im Grunde zwölf Jahre nach dem eigentlichen übernatürlichen Übergriff anfängt und sich in weiterer Folge anschickt, die zurückliegende wie auch gegenwärtige Story in zwei Zeitebenen zu erzählen, die nicht nur geschickt ineinander überleiten, sondern sich auch zunehmend zu überlappen beginnen. Das eröffnet natürlich Möglichkeiten, die weit darüber hinausgehen, dass jemand unverhofft und unmittelbar in die Fänge eines kaum zu bestimmenden Bösen gerät, wie es sonst gerne der Fall ist und so gibt sich allein Hauptfigur Kaylie auch ausnehmend abgeklärt und nüchtern, wenn sie vermeintlich jede Eventualität und Gefahr vorausahnt und entsprechende Vorkehrungen trifft.
© Universum Film
Nichtsdestotrotz bleibt sie allerdings leider fernab ihrer Vorkehrungen und Überzeugungen ein wenig blass und austauschbar, was dann nur dadurch abgemildert wird, dass man sie alsbald in den einsetzenden Rückblenden zusätzlich als Kind erlebt, dass sich ebenfalls – aber längst noch nicht so abgeklärt – der aufkommenden Finsternis entgegensetzt, die ihr Elternhaus in Besitz zu nehmen droht. Gleiches gilt für den geringfügig jüngeren, jüngst entlassenen Tim, der im vorliegenden Fall von Brenton Thwaites verkörpert wird. Überhaupt scheint der nicht seine beste Schaffensphase gehabt zu haben, denn im Gegensatz zu beispielsweise dem kurz darauf entstandenen The Signal wusste er mich schon schauspielerisch kaum wirklich zu überzeugen und wirkt doch ungerechtfertigt naiv und scheu, während er ansonsten ebenfalls charakterlich kaum etwas vorzuweisen hat, was gleichsam für sein jüngeres Alter Ego gilt, das doch sehr im Schatten der resoluten Schwester agiert. Weit weniger zu meckern hat man in dieser Hinsicht bei dem von Rory Cochrane (Feinde) verkörperten Vater Alan und der von Katee Sackhoff (Riddick) dargestellten Mutter Marie, die beide mit intensiver und zunehmend verstörender Darstellung zu überzeugen wissen.
Bei den eigentlichen Schockeffekten und Gruselmomenten hingegen kommt Oculus dann weitestgehend generisch daher und vermag nicht unbedingt mit großartig frischen Ideen zu punkten, wenn man von wenigen Momenten, in denen das Übernatürliche den Betroffenen vorgaukelt, alltägliche Dinge wären etwas ganz Anderes, einmal absieht. So hätte der Streifen in seiner Gesamtheit, so sehr er mich inhaltlich zu fesseln gewusst hat, durchaus gruseliger ausfallen können, doch dafür freut man sich, dass hier der Horror nicht aus der schieren Dummheit geboren wird, die die handelnden Figuren an den Tag legen, denn da vermag Kaylie die meiste Zeit gekonnt einen Riegel vorzulegen, indem sie bestmöglich versucht, die nächsten Schritte und mögliche Angriffsflächen vorherzuahnen. Letztendlich wird es Geschmackssache sein, welche Art der Inszenierung man präferiert, doch grundsätzlich vermag das hier inszenierte Treiben durchaus zu überzeugen, zumal es mit einem ganz und gar garstigen, ungemein kompromisslosen Finale daherkommt, das ich mir in dieser abrupten Endgültigkeit und Bösartigkeit dann doch nicht erwartet hätte.
© Universum Film
Entsprechend wird mir Oculus in durchaus guter Erinnerung bleiben, auch wenn allerorten das letzte Quäntchen fehlen mag, um das Filmvergnügen außerordentlich oder besonders erinnerungswürdig zu machen, denn manches lässt sich dann doch nur allzu leicht vorhersehen, während die Figuren einem sicherlich noch besser hätte nahegebracht werden können, um wahrhaft mit ihnen mitzufiebern. So schockieren manche Momente dann auch mangels emotionaler Immersion weit weniger gut, als sie es in vergleichbaren, besser austarierten Streifen hätten tun können, doch in Anbetracht dessen, welch frische Aspekte die Autoren dem Genre allein aufgrund des ungewöhnlichen Aufbaus und Storytellings abringen, mag das auch Jammern auf hohem Niveau sein. Nichtsdestotrotz fällt auch mir auf, wie oft ich mittlerweile darauf habe hinweisen müssen, dass es sich – wie eben auch hier – nicht unbedingt um klassischen, das Fürchten lehrenden Horror handelt. Diesbezüglich sollte ich vielleicht einmal meine Filmwahl überdenken, denn so cineastisch gelungen wie viele dieser Werke auch sein mögen, kann ich – ebenfalls wie auch hier – nicht behaupten, mich vor Angst auf die Couch gekauert zu haben. Eine Chance geben kann und sollte man diesem Mystery-Horror meiner Meinung nach aber auf jeden Fall.
Oculus
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Einflüsterungen des Spiegels - 7/10
7/10
Fazit & Wertung:
Mike Flanagan offeriert mit Oculus einen durchaus ambitionierten, mit ungewöhnlichem Aufbau und Storytelling punktenden Mystery-Horrorfilm, der allerdings hinsichtlich der eigentlichen Schockmomente nicht allzu häufig über generische Retortenware hinauskommt und dementsprechend in der B-Note schwächelt, wohingegen der sich auf zwei Zeitebenen erstreckende Handlungsablauf durchaus gelungen und fesselnd geraten ist.
Oculus ist am 05.12.14 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!